Entführung in der Türkei : Übrige Bergsteiger zurück in Deutschland

Drei Tage nach der Entführung von drei deutschen Bergsteigern im Osten der Türkei sind die übrigen Mitglieder der Gruppe nach Deutschland zurückgekehrt. Über das Schicksal der verschleppten Männer ist nach wie vor wenig bekannt. Die deutsche Regierung will sich jedoch nicht auf die Forderungen der Entführer einlassen, sondern setzt auf die Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden.

Bergsteiger
Deutsche Bergsteiger: Bangen um die Kollegen. -Foto: dpa

Die Kameraden der drei am Ararat in der Türkei entführten deutschen Bergsteiger sind wohlbehalten nach Deutschland zurückgekehrt. Die Linienmaschine mit den sieben Männern und drei Frauen an Bord landete am Freitagabend gegen 22.00 Uhr auf dem Münchener Flughafen. Angehörige und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) empfingen die Heimkehrer abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Hoffnungen auf eine rasche Freilassung der gekidnappten Bergsteiger waren zuvor immer mehr geschwunden.

Herrmann sagte, die Rückkehrer seien "gesund, aber von den Strapazen der letzten Tage mitgenommen". "Unserere Gedanken sind bei den drei Entführten. Wir haben keine neuen Informationen, wo sie sich aufhalten." Der Minister lobte die Zusammenarbeit mit dem Krisenstab des Auswärtigen Amtes und mit den Experten des Bundeskriminalamts. Er habe auch großes Vertrauen in die Zusammenarbeit mit den türkischen Behörden.

Entführer fordern Erklärung von Deutschland

Fünf PKK-Kämpfer hatten am Dienstagabend die drei aus Bayern stammenden 33, 48 und 65 Jahre alten Männer aus einem Camp am Berg Ararat auf 3200 Metern Höhe verschleppt. Die insgesamt 13 Männer und Frauen waren in der Nacht vor der Gipfelbesteigung des 5165 Meter hohen Berges überfallen worden, wie der Reiseveranstalter berichtete. Die Entführer wollen ihre Geiseln nach eigenen Angaben solange festhalten, bis die Bundesregierung eine Erklärung abgibt, dass Deutschland seine "feindliche Politik gegenüber dem kurdischen Volk und der PKK" aufgibt.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatte am Freitag jedoch erneut deutlich gemacht, dass die Bundesregierung auf keine Bedingungen der Rebellenorganisation eingehen werde. Man bemühe sich um eine "rasche und bedingungslose Freilassung" der drei in der Osttürkei verschleppten Geiseln. Der Krisenstab stehe mit den türkischen Behörden in Verbindung.

Schäuble lobt Hilfe der Türkei

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) äußerte sich positiv über das Verhalten der türkischen Behörden nach der Entführung. "Mein Eindruck ist, dass die türkischen Behörden sehr umsichtig vorgehen", sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Samstagausgabe). Die Rücksicht auf das Leben der Entführten habe Vorrang: "Ich hoffe, dass sie unversehrt und rasch wieder freikommen."

Schäuble bekräftigte, die Bundesregierung werde auf die Forderungen der PKK nicht eingehen: "Wir betreiben keine Politik gegen das kurdische Volk. Terroristische Organisationen werden bei uns verboten. Das gilt auch für die PKK und den kurdischen Sender, dem wir im Juni die weitere Tätigkeit in Deutschland verboten haben." Gewalt, Terror und Entführungen seien auch nicht im Interesse des kurdischen Volkes. Zwar müssten die berechtigten Belange der Kurden berücksichtigt werden - "in der Türkei und in anderen Ländern der Region". Terror schade diesem Anliegen aber nur. (mr/dpa)

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