Entführung : Steinmeier bestätigt Tod deutscher Geiseln

Die beiden Frauen gehörten zu einer Gruppe von neun Ausländern, die in Jemen entführt worden waren. Auch eine Südkoreanerin ist tot. Die anderen Geiseln werden gesucht.

SanaaMan müsse davon ausgehen, dass sich die weiteren fünf deutschen Vermissten "in den Händen von bewaffneten Gewalttätern befinden", sagte Steinmeier am Dienstag in Berlin. Die Leichen der drei Frauen waren bereits am Montag gefunden worden, allerdings hat das Auswärtige Amt erst jetzt bestätigt, dass es sich bei zwei Opfern um Deutsche handelt.

Die Umstände des Todes seien ebenso wie das Schicksal fünf weiterer vermisster Deutscher noch unklar, sagte Steinmeier. Die Toten seien in der Nähe ihres letzten bekannten Aufenthaltsortes gefunden worden. Nach Angaben von Provinzbeamten im Jemen hatten Schafhirten die Leichen im Tal Wadi al-Nuschur, in der nordwestlichen Provinz Saada entdeckt. Die Frauen seien erschossen und mit Messern attackiert worden, hieß es.

Die zwei Deutschen waren Studentinnen der Bibelschule Brake, wie das Institut auf seiner eigenen Homepage mitteilte. Sie hätten dort im dritten Jahrgang studiert und hätten sich aufgrund ihres sozial-diakonischen Engagements für ein Praktikum in Jemen entschieden. Die theologische Ausbildungsstätte verfolgt offenbar auch einen missionarischen Ansatz.

Die Suche nach Überlebenden konzentriert sich auf die Provinz Saada. Ein Sicherheitsbeamter sagte in der Hauptstadt Sanaa, den Behörden lägen Erkenntnisse vor, wonach die noch vermissten Ausländer – ein Deutscher, seine Ehefrau, deren vierjähriger Sohn und ein Brite – am Montagabend noch am Leben gewesen seien. Es sei aber unklar, ob sie noch in der Hand der Entführer seien. Nach ihnen wird weiter gesucht. Nicht bestätigt wurde, dass in der Nähe der Leichen zwei Töchter des deutschen Ehepaares lebend gefunden wurden.

Die drei Frauen waren am vergangenen Freitag gemeinsam mit einem deutschen Ehepaar und seinen drei Kindern sowie einem britischen Ingenieur nördlich der Stadt Saada entführt worden. Alle hatten im Auftrag der in den Niederlanden registrierten Wohltätigkeitsorganisation Worldwide Services am Al-Dschumhuri- Krankenhaus in der Stadt gearbeitet.

Zur Ermordung der Frauen hat sich bislang niemand bekannt. Die jemenitische Regierung bezichtigt als Täter die schiitischen Houthi-Rebellen, die ihre Hochburg in Saada haben. Die Rebellen streiten jedoch jede Beteiligung ab, die sie als "barbarisch und schändlich" bezeichneten.

Ein Stammesführer in der Region machte das Terrornetzwerk al-Qaida verantwortlich. In dem südarabischen Land gibt es zwar Al-Qaida-Terrorzellen, die schon mehrfach Ausländer getötet haben. Auch hat ein Teil der Familie von Osama Bin Laden, dem Anführer des Terrornetzwerks, Wurzeln im Jemen.

Das südkoreanische Außenministerium in Seoul verurteilte die Ermordung der Südkoreanerin am Dienstag scharf als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie ein Außenamtssprecher sagte.

In Jemen werden vergleichsweise häufig westliche Touristen oder Arbeiter entführt. Meistens werden sie nach der Zahlung von Lösegeld freigelassen, ohne dass es zu Gewalt kommt. Prominentestes deutsches Opfer war der ehemalige Staatssekretär Jürgen Chrobog, den Kidnapper mit Frau und drei erwachsenen Söhnen im Dezember 2005 verschleppten.

Zuletzt wurde im Januar ein deutscher Ingenieur entführt und nach wenigen Tagen wieder freigelassen. Einen Monat zuvor hatten Stammesangehörige eine deutsche Entwicklungshelferin und ihre Eltern etwa eine Woche in ihrer Gewalt, ehe sie freikamen.
 

ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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