Entführungen in Afghanistan : Nicht um jeden Preis

Nach der Freilassung der südkoreanischen Geiseln kritisiert das Ausland den Handel mit den Taliban.

Sarah Kramer,Robert Birnbaum

Dschanda/Kabul - Nach der Freilassung der südkoreanischen Geiseln in Afghanistan gibt es aus dem Ausland zusehends kritische Stimmen zu Südkoreas Verhalten bei den Verhandlungen mit den Taliban-Entführern. Die letzten Geiseln waren am Mittwoch und Donnerstag freigekommen, nachdem die Regierung in Seoul den Entführern zugesagt hatte, die derzeit in Afghanistan stationierten 200 südkoreanischen Soldaten bis zum Jahresende abzuziehen und keine christlichen Missionare mehr ins Land reisen zu lassen. Zudem gehen Beobachter in Afghanistan davon aus, dass Südkoreas Regierung für die Geiseln ein hohes Lösegeld bezahlt hat. In der japanischen Zeitung „Asahi Shimbun“ wurde die Summe auf zwei Millionen Dollar beziffert. Das Blatt berief sich dabei auf Informanten in Afghanistan. Lokale Vermittler sollen den südkoreanischen Botschafter in Kabul davon überzeugt haben, dass es keinen anderen Weg zur Beendigung der Geiselnahme gebe. Die Taliban hatten am 19. Juli 23 Mitglieder einer Freikirche in Afghanistan überfallen und später zwei der Geiseln erschossen.

Nun ist das Entführungsdrama also zu Ende. Südkorea hat durch den Handel mit den Taliban vor allem einen hohen politischen Preis bezahlt – das höhere Risiko erneuter Geiselnahmen. „Ich fürchte, dass als Konsequenz hieraus Zivilisten in gefährlichen Gebieten einem größeren Entführungsrisiko mit Blick auf Terroristen ausgesetzt sind“, sagt etwa Dänemarks Außenminister Per Stig Möller im Interview mit der Zeitung „Politiken“. „In der Folge könnten Terroristen die Außenpolitik eines anderen Staates diktieren.“ Kritik am Verhalten der südkoreanischen Regierung kam auch aus den USA. Man verfolge seit langem die Politik, Terroristen keine Zugeständnisse zu machen, sagte Außenamtssprecher Tom Casey in Washington. Was die Vereinbarung mit Südkorea für die Taliban bedeutet, machte deren Sprecher Kari Jussef Ahmadi am Freitag ohne große Umschweife deutlich: „Wir werden das Gleiche mit den anderen Alliierten in Afghanistan machen, weil sich dieser Weg für uns als erfolgreich erwiesen hat“, sagte Ahmadi.

Unterdessen sind deutsche Soldaten der Afghanistanschutztruppe Isaf und ein deutscher Journalist in der Hauptstadt Kabul am Freitagmorgen nur knapp einem Selbstmordanschlag auf zwei Bundeswehrjeeps entgangen. Bei dem versuchten Attentat unweit des Nato-Militärflughafens seien zwei Fahrzeuge einer deutschen Feldjägerstreife beschädigt worden, sagte ein Bundeswehrsprecher. Ein deutscher Soldat habe bei dem Anschlag Hautabschürfungen erlitten und habe ambulant behandelt werden müssen, sei aber ansonsten mit dem Schrecken davongekommen. Nach Tagesspiegel-Informationen gehörten die deutschen Feldjäger dem deutschen Kontingent in Kabul an und waren in zwei Wolf-Jeeps mit Zusatzpanzerung auf dem Weg zum Kabuler Flughafen, um dort einen deutschen Journalisten abzuholen. Der Reporter wollte über einen Auftritt der „Bremer Musical-Company“ bei der deutschen Truppenbetreuung berichten. Auf der Rückfahrt vom Flughafen zum deutschen Lager versuchte ein einheimisches Fahrzeug, sich zwischen die beiden Bundeswehrjeeps zu zwängen. Doch deren Fahrer drückten aufs Gas und drängten den Angreifer ab. Als sein Wagen explodierte, war der zweite „Wolf“ schon etwa fünf Meter von ihm entfernt.

Mittlerweile haben sich die Taliban zu der Tat bekannt. Die Bundeswehr geht davon aus, dass sich das Attentat in erster Linie gegen die internationale Militärpräsenz in Kabul richtete. Die Sicherheitsstufe wurde nicht erhöht und liegt nach wie vor bei „mittel“. Diese Einstufung steht für die generelle Gefahr von Anschlägen, ohne dass dabei konkrete Hinweise oder Drohungen vorliegen.mit dpa/ddp

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