Entführungsfall : Botschafter Jemens: Geiseln leben und kommen noch diese Woche frei

Der jemenitische Botschafter in Deutschland geht davon aus, dass die deutschen Geiseln noch leben und rasch freikommen. Über Mittelsmänner sollen Kontakte mit den Entführern aufgenommen worden sein.

Barbara Junge,Frank Jansen

BerlinBerlin - Im Drama um die im Jemen verschleppte deutsche Familie gibt es Hoffnung auf ein glimpfliches Ende. Der jemenitische Botschafter in der Bundesrepublik geht davon aus, dass die fünf deutschen Geiseln noch leben und rasch freikommen. Es sei „sehr wahrscheinlich“, dass die Entführer die Familie H. nicht getötet haben und dass das Geiseldrama „noch diese Woche gelöst wird“, sagte Mohammed al Eryani am Montag in Berlin dem Tagesspiegel. „Ich bin sehr hoffnungsvoll“, betonte der Botschafter. Das gelte auch für den ebenfalls entführten Briten, der zusammen mit dem sächsischen Ehepaar (beide 36) und ihren drei Kindern im Alter von einem bis vier Jahren am 12. Juni im Nordjemen verschleppt wurde.

Die Regierung im Jemen verfüge inzwischen über „einige Namen“ der Entführer und habe deshalb über Mittelsmänner Kontakte aufnehmen können, sagte al Eryani. Er deutete an, dass die in der Region Saada dominierenden Houthi-Rebellen wüssten, wer die Deutschen und den Briten in der Gewalt habe. Hinweise auf Verbindungen zu Al Qaida gebe es nicht. Die Houthi-Rebellen sind Schiiten, Al Qaida ist eine sunnitische Terrororganisation und kämpft auch gegen Schiiten.

Lösegeld spiele im aktuellen Fall keine Rolle, sagte der Botschafter. Die Entführer würden vermutlich die Geiseln freilassen, wenn zugesichert werde, dass die Deutschen die Region verlassen und die christliche Missionierung ein Ende habe. Bei den deutschen Geiseln handelt es sich um strenggläubige Christen. Die Entführer hatten offenbar kurz nach der Geiselnahme aus religiösen Motiven die beiden deutschen Bibelschülerinnen Anita G. (24) und Rita S. (26) sowie eine 34-jährige Südkoreanerin erschossen. Die drei Frauen und die Eltern der deutschen Familie hatten in einem Krankenhaus in der nordjemenitischen Region Saada gearbeitet. Die Leichen der beiden Deutschen wurden inzwischen in die Heimat übergeführt.

Der Botschafter machte die schiitischen Houthi-Rebellen für den religiösen Hass verantwortlich. „Sie rufen ,Nieder mit den USA, nieder mit Israel‘, und sie meinen auch: Nieder mit dem Christentum“, sagte al Eryani. Bei den Kidnappern handele es sich entweder um Fanatiker, die auf eigene Faust agiert haben, oder um Houthi-Rebellen, die ohne Wissen ihrer Anführer die Christen in ihre Gewalt brachten. Die Macht der Houthi-Rebellen sei so groß, dass es der Regierung zum Beispiel in der vergangenen Woche nicht gelungen sei, Prüfungsunterlagen für Oberschüler in die Region Saada zu bringen, sagte der Botschafter.

Mehrere Nachrichtenagenturen berichteten am Montag, dass die Entführten an schiitische Aufständische übergeben worden seien. Die schiitischen Rebellen dementierten dies. Auch der Botschafter wollte diese Meldung nicht bestätigen.

Das Auswärtige Amt kommentierte die Berichte nicht. Alle Aktivitäten seien dem Ziel untergeordnet, die Verschleppten zu finden und wenn möglich in Sicherheit zu bringen. Auch an einer Debatte über die angeblich missionarische Tätigkeit der Entführten wolle man sich zu diesem Zeitpunkt nicht beteiligen.

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