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Entführungsopfer : Natascha Kampusch: Gefangene der Öffentlichkeit

26.12.2012 16:04 Uhrvon
Demütigungen ohne Ende. Immer wieder wurde Natascha Kampusch von der Polizei verhört, als wäre sie die Angeklagte.Bild vergrößern
Demütigungen ohne Ende. Immer wieder wurde Natascha Kampusch von der Polizei verhört, als wäre sie die Angeklagte. - Foto: picture alliance / dpa

Schlampereien, Vertuschungen: Sechs Jahre nach Natascha Kampuschs Befreiung ist der Fall so rätselhaft wie am Anfang. Sie hat nur einen Wunsch: Endlich in Ruhe gelassen zu werden. Die Geschichte eines Opfers, das nicht aufhören darf, eines zu sein.

Natascha Kampusch ist jetzt ein Fall für das FBI. Ermittler aus Amerika sind nach Wien gekommen, sie trafen österreichische Staatsanwälte und Polizisten. Wälzten die 270 000 Aktenseiten, die sich angehäuft haben, seit Kampusch als Zehnjährige entführt und in ein Kellerverlies gesperrt worden war. Und sie stellen die Fragen, die sich viele stellen. War der Täter Wolfgang P. allein, oder half ihm jemand? Warum verschwand der Hinweis auf P., den ein Polizeihundeführer kurz nach der Tat lieferte? Was ist mit dem Freund, den P.

am Tag von Kampuschs Flucht im August 2006 traf? In einem Einkaufszentrum, Stunden, bevor P. sich vor einen Zug warf. Als die Polizisten mit dem Mann reden wollten, fragte er: „Hat er sie umgebracht?“

Die Leute vom FBI sagen nicht viel. Außer, dass geschlampt wurde an jenem 2. März 1998, als Kampusch auf dem Weg zur Grundschule in einen weißen Kastenwagen gezerrt wurde. Man habe die Autotype nicht genau analysiert, ein „unprofessionelles Vorgehen“. Hätten sich die Polizisten eingehender damit beschäftigt, wären sie auf P. gekommen. Hätten sich nicht von ihm abwimmeln lassen, als sie, Wochen nach der Tat, bei einer Routineüberprüfung vor seinem Haus standen. Später prahlte P. seinem Freund gegenüber, dass Polizisten „Stocktrotteln“ seien, denen man „alles erzählen“ könne. Hätte, wäre, 14 Jahre ist das her. Die FBI-Leute arbeiten für die Abteilung Cold Cases, die erkalteten Fälle.

Sechs Jahre, nachdem Kampusch sich befreien konnte, ist der Fall alles andere als erkaltet. Bis heute beschäftigen sich Justiz und Politik in Österreich mit Kampusch. Und bis heute muss sich Natascha Kampusch rechtfertigen. Dafür, dass sie sich zum 18. Geburtstag von P. eine Torte schenken ließ und eine Flasche Baileys. Dass sie nicht weglief, als P. sie in einen Baumarkt mitnahm oder zum Skilaufen ins Voralpenland.

Gerade war sie wieder im Fernsehen. In einer Sondersendung von Aktenzeichen XY, es ging um verschwundene Kinder. Kampusch trug ein gemustertes Kleid und eine Perlenkette. Die langen blonden Haare hingen ins Gesicht, als wollte sie sich dahinter verstecken. Sie sagte, dass sie ihren Hauptschulabschluss gemacht habe und Goldschmiedin werden wolle. Dass sie manchmal denke, noch immer im zwei mal drei Meter großen Keller zu sein. Erst gerade wieder, als es kalt wurde. Wie es ihr gehe, fragte der Moderator. „Das ist nicht so einfach, aber ich versuche es“, sagte Kampusch. Sie sprach leise und stockend, in ihrem neuen Leben scheint nichts einfach zu sein. Ihre Ausbildung musste sie unterbrechen.

24 ist Natascha Kampusch heute, und sie hat alles gesagt. Über den „Täter“, wie sie P. nur nennt. Über den Hunger und die schwere körperliche Arbeit, die sie für ihn verrichten musste, über die Misshandlungen. P. schlug sie mit allem, was er finden konnte. Überlebt habe sie, weil sie fähig gewesen sei, „im Bösen“ eine gewisse Normalität zu erkennen, „ja sogar gegenseitiges Verständnis“. „Indem ich ihn als Mensch sah, mit einer sehr dunklen und einer etwas helleren Seite, konnte ich selbst Mensch bleiben.“

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Eine Recherchekooperation des Tagesspiegels mit dem ARD-Magazin "Fakt".

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