Politik : Entrüstung über die Clintons: US-Präsidentenpaar will für Geschenke bezahlen

Henriette Löwisch

"Gierig", "peinlich", "schamlos" - über das ehemalige US-Präsidentenpaar ergießt sich derzeit die Entrüstung der US-Medien, als steckten die Clintons noch mitten im Lewinsky-Skandal. Doch mit ihrer Hemmungslosigkeit zum Amtswechsel haben sie jetzt auch Wohlgesonnene verprellt. "Dies ist wie eine Sahnetorte ins Gesicht jener, die Dich verteidigt haben", schrieb der linksliberale Kolumnist Richard Cohen in einem offenen Brief in der "Washington Post"."

Die Sahnetorte, das war zunächst eine der 130 Begnadigungen, die der Ex-Präsident noch wenige Stunden vor seinem Ausscheiden aussprach. Im Namen des Volkes verzieh Clinton dem Steuerflüchtling Marc Rich, der sich seit fast zwanzig Jahren in der Schweiz der US-Justiz entzieht. Dann kam heraus, dass Richs Ex-Frau Denise zu den großzügigen Freunden gehörte, die Mobiliar im Wert von 190 000 Dollar (fast 400 000 Mark) ins Weiße Haus schickten, damit sich Clintons nicht bei Ikea ausstatten mussten.

Mit ihren Manövern folgten Bill und Hillary dem Wortlaut des Gesetzes, wenn auch nicht seiner eigentlichen Intention. Jedem Präsidenten ist unbenommen, wen er begnadigt; das Geschenkverbot für Senatoren gilt erst ab deren Vereidigung. Bei der Miete seines Büros hat jeder ehemalige Amtsinhaber großen Ermessensspielraum. Die Luxus-Arbeitsstätte von Bill Clinton im 56. Stock des Carnegie-Towers kostet allerdings umgerechnet 1,4 Millionen Mark Jahresmiete, soviel wie jene aller anderen noch lebenden Altpräsidenten zusammen.

Standhafte Clinton-Anhänger - und ihre Zahl schwindet - betonen, dass er nichts anderes tue als seine Vorgänger vor ihm. Auch der ehemalige Präsident George Bush und seine Frau Barbara nahmen Erinnerungsstücke aus dem Weißen Haus mit, allerdings in nur halb so hohem Wert. Freunde von Ronald Reagan spendierten ihm eine 2,5 Millionen Dollar (5,2 Millionen Mark) teure Ranch in Kalifornien, doch er zog sich damals ins Privatleben zurück statt in den Senat. Unter Druck geraten will Clinton die Steuerzahler jetzt nur noch mit der Hälfte der Büromiete belasten und wenigstens für die Geschenke des vergangenen Jahres zahlen. "Ich glaube, ich habe noch nie miterlebt, wie ein Präsident so würdelos aus dem Amt schied", kritisiert der Historiker Lee Cogden von der James Madison University.

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