Entschädigung : Heimkinder fordern 25 Milliarden

Der Verband der ehemaligen Heimkinder (VEH) fordert die Einrichtung eines Entschädigungsfonds in Höhe von mindestens 25 Milliarden Euro. Das beschloss die Mitgliederversammlung des Verbands am Pfingstwochenende in Mainz mit großer Mehrheit.

Marion Mück-Raab[Mainz]

 Anfang kommender Woche soll die dritte Sitzung des vom Bundestag eingesetzten Runden Tisches zum Thema stattfinden. Weiter fordern die ehemaligen Heimkinder einen rentenversicherungsrechtlichen Ausgleich für die Arbeit, die sie in den vor allem kirchlichen Kinder- und Fürsorgeheimen leisten mussten und die Bereitstellung von Soforthilfemitteln zur therapeutischen und sozialen Unterstützung in Härtefällen in Höhe von zunächst 25 Millionen Euro.

Dabei sollte der Runde Tisch so etwas wie eine „kleine Wahrheitskommission“ werden. Das wünschte sich Antje Vollmer, die Vorsitzende des Runden Tisches „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“. Das Gremium hatte im Februar auf Beschluss des Deutschen Bundestages seine Arbeit aufgenommen. Geredet werden sollte über die Vorwürfe ehemaliger Heimkinder, die von massiven Menschenrechtsverletzungen in den Kinder- und Fürsorgeheimen berichteten. Die Erfahrungen der Betroffenen sollten aufgearbeitet, historisch eingeordnet und rechtliche Verantwortlichkeiten geklärt werden. Auch um die Frage einer Entschädigung sollte es gehen. Für all diese Fragen war ein Zeitraum von zwei Jahren vorgesehen. Doch zu der ruhigen Bestandsaufnahme, wie sie sich Vollmer wünscht, scheint es nicht zu kommen.

Mit seinen Forderungen reagiert der VEH ganz offensichtlich auf den Beschluss der zweiten  Sitzung des Runden Tisches, keine anwaltlichen Vertreter der betroffenen Heimkinder bei den Gesprächen zuzulassen. „Die Betroffenen sind damit ausgeschaltet“, kommentiert der Hamburger Rechtsanwalt Gerrit Wilmans die Beschlusslage. Wilmans berät den Verein in Rechtsfragen, ein weiterer juristischer Ratgeber ist der prominente Opferanwalt Michael Witti aus München. Wilmans zweifelt daran, dass der Runde Tisch noch als seriöses Verhandlungsgremium gelten kann. Während Ministerien und Verbände mit Volljuristen am Runden Tisch vertreten seien, sei den drei Vertretern der Heimkinder sogar untersagt worden, interne Protokolle mit dem Vorstand des VEH zu besprechen und juristischen Rat einzuholen.

Der Versuch des VEH, seine Vertreter am Runden Tisch auszutauschen, sei von der Vorsitzenden Vollmer vereitelt worden: „Die Leute, die am wenigsten den Mund aufmachen, dürfen am Runden Tisch sitzen“, sagte Wilmans dem Tagesspiegel. Das Ende der Gespräche am Runden Tisch sieht Wilmans deswegen allerdings noch nicht gekommen: „Den Weg zurück zu seriösen Verhandlungen gibt es immer.“ Sollte es dazu aber nicht kommen, sieht Wilmans nur noch die Alternative, mit Sammelklagen in den USA Entschädigungen für die Heimkinder einzuklagen. Antje Vollmer sagte dem Tagesspiegel, sie sehe sich als Moderatorin und wollte deshalb zu den Vorwürfen keine Stellung nehmen.

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