Politik : Entscheidung im Streit um die FDP-Spitze: Westerwelle wird im Mai Partei-Chef

Robert Birnbaum

Guido Westerwelle wird nun doch schon im Mai Chef der FDP. Der FDP-Vorsitzende Wolfgang Gerhardt gab am Donnerstag nach einem ganztägigen Krisengespräch in Hamburg dem Drängen seines Generalsekretärs nach und erklärte seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur. Gerhardt will sich auf die Führung der Fraktion beschränken. Westerwelle wertete die Entscheidung als Schritt zum Generationenwechsel in der FDP.

Kein Platz soll in dem neuen Spitzen-Tandem für einen "Kanzlerkandidaten" Jürgen Möllemann bleiben. Diese ausdrückliche Zusicherung Westerwelles hatte Gerhardts Sinneswandel bewirkt. Gerhardt sah damit nach Angaben aus der Partei sein erklärtes Ziel erreicht, den Wiederaufstieg des NRW-Landeschefs auszubremsen. Mit Spannung wurde nun Möllemanns Reaktion als Gastredner beim Stuttgarter FDP-Landesparteitag am Freitag erwartet.

Mit der Absprache soll die seit über einem Jahr schwelende Führungskrise der Freidemokraten beendet werden. Die Kontrahenten waren zuletzt vor allem von den wahlkämpfenden Landesverbänden in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz massiv unter Druck gesetzt worden. Beim Landesparteitag in Stuttgart drohte Bundesvize Walter Döring noch Donnerstagmittag damit, einen Sonderparteitag zu beantragen, wenn sich Gerhardt und Westerwelle nicht umgehend einigten. Westerwelle war auch aus seinem NRW-Landesverband gedrängt worden zu kandidieren.

Westerwelle und Gerhardt sprachen nach dem Verhandlungsmarathon in Hamburg von einer "sehr persönlichen" Entscheidung. Zwischen ihnen beiden bestehe weiterhin eine große politische und persönliche Vertrauensbasis. Gerhardt sagte, sie hätten beide gespürt, dass die Partei von ihnen eine besondere Führungsverantwortung erwarte. Die Gespräche seien allerdings "nicht einfach" gewesen. Gerhardt hatte bis zuletzt seinen Willen bekräftigt, beim Parteitag in Düsseldorf im Mai erneut zu kandidieren.

Nach Angaben aus der Partei waren Westerwelle und Gerhardt am Mittwoch in Wiesbaden mit der Verabredung auseinander gegangen, dass Westerwelle eine herausgehobene Position als Spitzenkandidat im Wahlkampf 2002 bekleiden solle. Diese Abmachung erwies sich aber am Donnerstag als nicht tragfähig, "weil beide immer noch die Nummer eins sein wollten".

Ein Angebot Gerhardts, dass Westerwelle die Fraktionsführung übernehmen könnte, wies der Generalsekretär zurück. Dieser Ausweg war Gerhardt unter anderem von seinem Vorgänger Klaus Kinkel nahe gelegt worden. Westerwelle untermauerte seinen Anspruch auf die Parteispitze auch mit einem Interview Gerhardts, in dem der den Generalsekretär zu seinem Wunsch-Nachfolger erklärt hatte.

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