Politik : Entschuldigung nach 20 Jahren

Um die Beziehungen zu Tokio zu verbessern, gesteht Nordkorea die Entführung von zwölf Japanern. Nur vier von ihnen leben noch

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Von Harald Maass, Peking

Megumi Yokota war 13, als sie zuletzt an der Küste von Japan gesehen wurde. Mehr als zwei Jahrzehnte galt die Schülerin als vermisst. Am Dienstag erfuhren die Eltern und mit ihnen Millionen von Japanern zum ersten Mal von ihrem Schicksal. Das Mädchen war von nordkoreanischen Spionen entführt worden und später in dem kommunistischen Land gestorben, erklärte die Regierung in Pjöngjang.

Die Aufklärung dieser und elf anderer Entführungen ist für die Japaner das wichtigste Ergebnis des historischen Besuchs ihres Premiers Junichiro Koizumi in Nordkorea. Erstmals gestand das Regime in Pjöngjang die Entführungen in den 70er und 80er Jahren ein. Machthaber Kim Jong-Il sagte: „Es ist bedauerlich und ich möchte mich dafür aufrichtig entschuldigen.“ Er habe die Verantwortlichen bestraft. Der eintägige Blitzbesuch von Koizumi in dem bankrotten Nachbarland war der hochrangigste Kontakt zwischen Nordkorea und Japan seit einem halben Jahrhundert.

Koizumi entschuldigte sich im Gegenzug für Japans 35-jährige Kolonialherrschaft vor 1945 auf der koreanischen Halbinsel. Japanische Diplomaten erklärten, dass damit der Weg zur Aufnahme normaler diplomatischer Beziehungen offen sei. Die Verhandlungen, bei denen Japan vermutlich wie früher Südkorea eine finanzielle Entschädigung für die Kolonialvergangenheit anbieten wird, sollen im Oktober beginnen.

Nordkoreas Regime, das die USA zur „Achse des Bösen“ zählen, erklärte sich japanischen Angaben zufolge bereit, das Raketentest–Moratorium über das Jahr 2003 hinaus zu verlängern und deutete auch Gesprächsbereitschaft mit den USA an. Nach der Annäherung an Südkorea in den vergangenen Wochen scheint Pjöngjang seinen vorsichtigen Öffnungskurs fortzusetzen. All dies deutet nach Ansicht von Beobachtern darauf hin, dass Pjöngjang sich offenbar ernsthaft vom Terrorismus lossagen will. Eine Normalisierung der Beziehungen zu Tokio würde Nordkorea auch die dringend benötigte Wirtschaftshilfe verschaffen.

Für die Familien der Entführungsopfer kommt das Geständnis zu spät. Nur vier der zwölf Japaner, die zur Sprachausbildung nordkoreanischer Spione festgehalten wurden, sind noch am Leben. Sie dürften nach Japan zurückkehren, sagte Kim. Für die Eltern von Megumi Yokota, die jahrzehntelang nach ihrer Tochter geforscht haben, gab es keinen Trost. „Ich kann es nicht glauben“, sagte Megumis Vater.

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