Politik : Entsetzen über die neue Liebe von Fraktionschef Schlauch zum Auto

Matthias Meisner

Die von Grünen-Fraktionschef Rezzo Schlauch angekündigte Versöhnung mit dem Auto wird in den eigenen Reihen heftig kritisiert. Der umweltpolitische Sprecher der Fraktion, Reinhard Loske, schrieb einen geharnischten Brief an Schlauch, in dem er sich "entsetzt" zeigt über die "erstaunliche Anpassungsleistung" Schlauchs. In dem Schreiben Loskes, das dem Tagesspiegel vorliegt, heißt es, der Tenor der Thesen sei "in seiner Anbiederung an den vermeintlichen Zeitgeist schon fast abstoßend".

Auch der Vize-Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, der Grünen-Abgeordnete Winfried Hermann, sagte, die Botschaft, die Grünen würden sich allem anpassen, sei "verheerend". Schlauch unterschlage, dass das Auto die vermeintliche Mobilität nicht mehr sichere, auch der Verkehrsmix nicht mehr stimme. "Es kommt gar nicht mehr raus, dass das Auto kritisch gesehen werden muss", sagte Hermann dem Tagesspiegel. Er wies unter anderem auf Flächenverbrauch, Landschaftszerstörung, verstopfte Innenstädte und 5000 Verkehrstote im Jahr hin.

Schlauch hatte vergangene Woche gemeinsam mit dem Verkehrsexperten Albert Schmidt und die Energiepolitikerin Michaele Hustedt verlangt, die Grünen müssten ihren "emotionalen Gegenreflex" beenden und "das Auto als Verkehrsmittel endlich akzeptieren". Loske hält Schlauch vor, dass er das Auto unter anderem als "Mittel der Emanzipation" und "Instrument der Freiheit" gepriesen habe. Die "reichlichen Schattenseiten" des Automobilverkehrs würden so unterschlagen, kritisiert der Bundestagsabgeordnete.

Loske zu Schlauch: "Mit grüner Politik, die sich durch ein umfassendes Verständnis von Lebensqualität auszeichnen sollte, haben diese Sprüche rein gar nichts mehr zu tun. So redet heute nicht einmal mehr der ADAC." Empört fügte der Umweltpolitiker hinzu: "Den Protagonisten der Spaßgesellschaft und ihren publizistischen Hilfstruppen gilt unbeschränktes Autofahren ja beinahe schon als Menschenrecht. Die Politik soll Straßen bauen und sich ansonsten raushalten." Ein grüner Fraktionsvorsitzender, der "fast hymnisch das Auto preist", sei "nur noch ein schlechter Witz. Überanpassung sei "nicht modern, sondern hilflos".

Auch Grünen-Chefin Antje Radcke hatte Schlauch vorgeworfen, seinen Vorstoß für eine verkehrspolitische Kehrtwende nicht abgestimmt zu haben. Sie verlangte: "Nehmt die Basis gefälligst mit, redet mit ihr, bevor ihr neue Konzepte auf den Markt werft!"

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