ENTTÄUSCHT, ABER NICHT OHNE HOFFNUNG : "Ich setze auf uns"

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Fabiana Muceli (28) Kommunikationswissenschaftlerin, angehende Journalistin.

Meine persönliche Zukunft sehe ich ziemlich grau. Ich möchte gern Journalistin werden, zurzeit arbeite ich in einem Fernsehprogramm mit, eine Probezeit von drei Monaten. Ernähren? Nein, ernähren tut die Arbeit mich nun wirklich nicht. Vielleicht werde ich nach dem Sommer eingestellt. Aber auch das wird dann keine Festanstellung sein. Ich stamme aus Sardinien, aus einer politisch sehr aktiven Familie. Mein Vater hat für die Linksdemokraten in der Regionalpolitik gearbeitet. Ich selbst stehe weiter links und war früher Mitglied von Rifondazione comunista, der Partei, die aus dem Protest gegen die Auflösung der KP in den 90er Jahren entstand, als die Partei sich in Linksdemokraten umbenannte. Jetzt bin ich ziemlich enttäuscht. Ich sehe nichts, wodurch ich mich vertreten fühlen würde. Ich habe Demokratie immer aus einer Perspektive des Konflikts und der Alternativen gesehen. Aber da bin ich ernüchtert: Es gibt bei uns keine Unterschiede. Die Opposition unterscheidet sich nicht von Berlusconi. Und Berlusconi ist die Fortsetzung der Ersten Republik. Er hat da weitergemacht, wo Craxi aufgehört hat. Mein Vater meint, ich solle in die Politik zurückkommen, es sei schon schlimmer gewesen. Er meint, es sei ganz normal enttäuscht zu sein, man müsse aber weitermachen. Vielleicht sind wir ja tatsächlich zu depressiv und sollten einfach was tun. Ich weiß nicht, ob wir versagen oder ob es am politischen System in Italien liegt. Ich warte jetzt ab. Ich setze im Grunde auf unsere Generation, in der ich sehr viele gute Leute sehe, übrigens auch im anderen Lager. Aber wohin man sieht, in der Wissenschaft, in der Schule: Um die Jungen geht es doch gar nicht. Und unser Ministerpräsident ist 72 Jahre alt. Trotzdem: Ich hoffe, dass die Jungen eine Welle von Frische und neuen Ideen in die Politik bringen. So kann es jedenfalls nicht weitergehen. In unserer Generation hoffe ich auch auf die Frauen. Bisher sind alle Schlüsselstellungen mit Männern besetzt. Frauen fehlen entschieden. Was ich sehe ist, dass unter uns Jüngeren mehr Frauen fähig und engagiert sind als Männer. Ja, es stimmt, ich habe meinen Optimismus noch nicht ganz verloren. Ich hoffe noch.

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