Politik : Entwarnung nach Milzbrand-Alarm

Markus Feldenkirchen

Zwei ernste Verdachtsfälle auf Milzbrand-Erreger in Deutschland haben sich nicht bestätigt. Nach Untersuchungen im Berliner Robert-Koch-Institut gab Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Freitagabend Entwarnung. Weder in einem Brief aus Thüringen noch in verdächtigen Paketen aus Schleswig-Holstein seien Anthrax-Sporen gefunden worden. Dies könne man mit 98-prozentiger Sicherheit sagen, ergänzte der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth. Der Umgang mit den Proben habe gezeigt, dass Deutschland für den Ernstfall gerüstet sei, sagte Schmidt. Die Behörden hätten "reibungslos" zusammengearbeitet.

Zum Thema Foto-Tour: Milzbrand weltweit
--> Online Spezial: Bio-Terrorismus
Stichwort: Milzbrand
Hintergrund: Seuchenexperten
Web-Link: Robert-Koch-Institut Im Robert-Koch-Institut wurden die verdächtigen Proben in der Nacht weiter untersucht. Erst am Samstagmorgen könne man einen hundertprozentigen Befund geben, sagte Kurth. Er versicherte, dass es sich bei der ersten positiven Untersuchung der Probe aus dem thüringischen Rudolstadt nicht um einen Fehler gehandelt habe. Das Jenaer Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin habe zu Recht einen "schweren Verdachtsmoment" gemeldet. Die dort gefundenen Bakterien hätten eine ähnliche Konsistenz wie die Anthrax-Bakterien, seien aber in der Umwelt weit verbreitet und vollkommen harmlos. Auch die Probe aus Neumünster in Schleswig-Holstein habe große Ähnlichkeit mit Milzbrand-Erregern aufgewiesen.

Der im Rudolstädter Arbeitsamt eingegangene Brief enthielt den Absender "Achmed, Islamabad", wurde aber wahrscheinlich in Deutschland abgeschickt. Bisher gebe es keine Hinweise auf den Täter, sagte Schmidt. Um die verdächtige Substanz herzustellen, habe es offenbar keines großen Aufwands bedurft. Die in Neumünster gefundenen Pakete wurden von einem 30-jährigen Mann verteilt, der sich noch am Abend der Polizei stellte. Der Mann gab an, er sei Künstler und habe mit der Aktion auf die Kunst und seinen 30. Geburtstag aufmerksam machen wollen.

Bereits am 25. Oktober war der verdächtige Brief in der Poststelle des Rudolstädter Arbeitsamtes aufgetaucht, lagerte dann aber eine Woche in Jena im Labor, ehe er am Freitagvormittag untersucht wurde. Von diesem Zeitpunkt an sei alles korrekt verlaufen. Die Probe sei umgehend ins Robert-Koch-Institut nach Berlin geflogen und das Ministerium informiert worden. Kritik, wonach die Probe schneller untersucht und die Öffentlichkeit rascher hätte informiert werden müssen, wies Schmidt zurück.

Auch bei der US-Botschaft in Athen ging am Freitag ein verdächtiger Brief ein. Bei einer Zeitung und einem Computerunternehmen in Pakistan wurden nach offiziellen Angaben Milzbrand-Sporen nachgewiesen.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben