Politik : Entwicklungsarbeit: UN: Immer mehr Umweltflüchtlinge Weltbevölkerungsbericht vorgestellt

Ruth Ciesinger

Die steigende Bevölkerungszahl ist laut dem Weltbevölkerungsbericht der Vereinten Nationen mitverantwortlich für die zunehmende Umweltverschmutzung. Gleichzeitig kostet diese jährlich Millionen von Menschen das Leben, so Rainer Rosenbaum vom UN-Bevölkerungsfonds bei der Vorstellung des Berichts. Für das Jahr 2050 prognostizieren die UN ein Bevölkerungswachstum um weitere drei Milliarden auf rund neun Millarden Menschen, von denen die meisten in Entwicklungsländern leben werden. Deswegen fordert Rosenbaum, in der Entwicklungpolitik künftig besonders die Gleichstellung der Frauen in den Entwicklungsländern und ihre sexuelle Selbstbestimmung zu fördern.

Während die Industrienationen hauptverantwortlich sind für die globale Umweltverschmutzung, ist es in den Entwicklungsländern selbst die steigende Zahl der Armen. Diese leiden dramatisch unter den Folgen. 1,1 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser; das kostet jährlich zwölf Millionen Menschen das Leben. Wegen von Holz- und Kohlefeuern verschmutzter Luft sterben jährlich nochmal 2,2 Millionen Menschen. In den kommenden Jahrzehnten werden laut UN-Schätzungen die Entwicklungsländer für die Hälfte aller Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich sein. Hans Fleisch von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung geht wegen dieser Entwicklung derzeit von mindestens 25 Millionen Umweltflüchtlingen aus. Im Norden Indiens beispielsweise sinke bei wachsender Bevölkerung der Wasserspiegel jährlich um einen Meter - auch weil die Menschen zuviel Wald für Feuerholz roden. Die Bevölkerung wandere ab in den Süden des Landes, und lebe dort in Slums. Das führe zu innenpolitischen Spannungen. "Und wir wundern uns", sagt Fleisch, "warum die Fundamentalisten Zulauf bekommen".

"Auf einem Tiefpunkt" sieht Fleisch die deutsche Entwicklungspolitik. Im Hinblick auf den geplanten Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan sagte er, politische Sicherheit könne nur durch stabile soziale und ökologische Verhältnisse erreicht werden. Deshalb müssten die Ausgaben für Entwicklungshilfe erhöht werden, die etwa 0,26 Prozent des Bruttosozialproduktes ausmachen - und damit nur ein Drittel der von der UN als notwendig erachteten Summe von 0,7 Prozent. Außerdem sollte die Bundesregierung seiner Ansicht nach mehr als die derzeit 28 Millionen Mark in den UN-Bevölkerungsfonds einzahlen.

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