Politik : Er macht’s mit links

Wie Lafontaine die Macht in seiner Partei ausbaut

Matthias Meisner

Berlin - Offiziell hat er seine Kandidatur nicht angemeldet, doch keiner zweifelt an den Machtambitionen des Oskar Lafontaine. Vom Juni kommenden Jahres an, wenn sich Linkspartei/PDS und WASG vereinigen wollen, soll und will Lafontaine die neue Partei führen, neben seinem Amt als Chef der Bundestagsfraktion. Endgültig wird er dann zum politisch stärksten Mann im 2005 von ihm initiierten Linksbündnis. PDS-Chef Lothar Bisky soll der Doppelspitze der vereinigten Linkspartei ebenfalls angehören – praktisch aber nur als der zweite Mann, wie Parteifreunde zugeben.

Damit nichts mehr schiefgeht, hat sich Lafontaine in den vergangenen Wochen neue Freunde gesucht. Ausgerechnet der linke Parteiflügel der PDS hilft dem früheren Sozialdemokraten auf dem Weg an die Linkspartei-Spitze. Angesichts der Rolle Lafontaines sei dessen Kandidatur zum Parteivorsitz „angemessen und normal“, sagt die Wortführerin der Kommunistischen Plattform, Sahra Wagenknecht, dem Tagesspiegel. „Alles andere wäre völlig absurd“. Lafontaine vertrete „linke sozialistische Positionen, wie sie in der Linkspartei weitgehend unumstritten sein sollten“.

Ähnlich argumentiert der linke Flügel der Bundestagsfraktion. Die Abgeordnete Ulla Jelpke lobt die „wichtigen Impulse“, die Lafontaine in der innerparteilichen Debatte gebe – etwa wenn es gegen Privatisierungen geht. Ihrer Kollegin Nele Hirsch gefällt, dass der Fraktionsvorsitzende eine Diskussion über Kriterien für Regierungsbeteiligungen angestoßen hat – und so „für mehr Glaubwürdigkeit“ der neuen Partei sorgt. Selbst die Berliner WASG-Spitzenkandidatin Lucy Redler, die mit der PDS und ihrer eigenen Bundesspitze über Kreuz liegt, versichert, Lafontaine stehe ihr „natürlich näher“ als die Pragmatiker im Linksbündnis.

An den Rand gedrängt werden jene, die Vorbehalte gegen Lafontaine haben. Zu ihnen zählt der sachsen-anhaltinische PDS-Fraktionschef Wulf Gallert, der sich erst dieser Tage wieder „ein wenig überrascht“ über Lafontaines deutlichen Anspruch auf die Spitzenämter zeigte. Anfang Juli hatte Gallert eine gemeinsame Erklärung der Ost-Landeschefs der PDS initiiert – und Punkt für Punkt aufgelistet, wo Lafontaine mit seinen Konzepten hinter die „praktische Politik“ in den Ost-Ländern zurückfalle. „Es gibt Gegrummel“, gab der Saarländer damals zu – und fügte lakonisch hinzu, mancher habe eben Sorge, „nicht mehr ohne weiteres“ in eine Regierung gehen zu können.

Einflussreicher scheinen ihm andere zu sein: Der PDS-Ehrenvorsitzende Hans Modrow, Wortführer der Basis, nennt die Kritik an Lafontaine „sehr unausgegoren und politisch unreif“, lobt den Fraktionschef als „tragende Kraft und Strategen“. Auch Co-Fraktionschef Gregor Gysi warnt inzwischen intern dringend vor Gegenkandidaturen zu Lafontaine. Die Nachwuchskader der PDS sollten sich „für eine Übergangszeit“ gedulden, riet er. Alles andere würden sie „bitter bereuen“.

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