Politik : Erde an Mars

Der blaue und der rote Planet sind sich so nah wie zuletzt vor 60000 Jahren – noch 55,76 Millionen Kilometer trennen sie

Paul Janositz

Der Rekord hielt lange, doch jetzt ist er gebrochen. Erde und Mars sind sich so nahe wie zuletzt vor knapp 60 000 Jahren, zu Zeiten der Neandertaler; Fernrohre sind gefragt. Doch Besucher von Sternwarten konnten kaum einen Blick auf die orangefarbene Scheibe erhaschen, so groß war das Gedränge. Dabei könnte man es als Sternenfreund ruhiger angehen lassen, denn der Rote Planet wird im September und Oktober noch besser zu sehen sein, weil er höher am Abendhimmel stehen wird.

Dann fehlt aber wohl die Sensation, einen historischen Augenblick erlebt zu haben. Derzeit sind es nur 55,76 Millionen Kilometer Differenz zwischen den Himmelskörpern, die im Laufe von zwei Jahren auf mehr als 400 Millionen anwachsen und wieder schrumpfen wird. Das Hin und Her in der Planetenbeziehung liegt an der unterschiedlichen Geschwindigkeit der beiden Partner. Und auch an der Größe ihrer Bahn um die Sonne. Unsere Erde ist knapp zehnmal schwerer, doppelt so groß und mit knapp 30 Kilometern pro Sekunde etwa ein Fünftel schneller als der Mars. So kann sie den Nachbarn immer wieder einholen.

Da aber die Planetenbahnen nicht kreisförmig, sondern elliptisch sind, schwankt die Entfernung bei jedem Überholmanöver. Mit knapp 687 Tagen braucht der Mars etwa doppelt so lang wie die Erde für eine Runde. Die Entfernung zwischen den beiden Himmelskörpern kann dabei bis auf rund 401 Millionen Kilometer wachsen. Dann ist er mit bloßem Auge kaum noch zu sehen. Nächstes Jahr wird er sich zudem hinter der Sonne verstecken, sagt Susanne Hoffmann, Astronomin in Berlin-Treptow.

So nahe wie jetzt kommen sich die beiden Nachbarn erst wieder in 2284 Jahren, dann wird das kosmische Rendezvous mit 55,69 Millionen Kilometern Abstand sogar noch „intimer“ als jetzt. Derzeit allerdings erkennt man den hellen Fleck sehr gut am südöstlichen Himmel. Kurz vor 21 Uhr geht er auf, gegen Mitternacht ist der höchste Stand erreicht. Je kleiner der Punkt wahrgenommen wird, desto rötlicher sieht er aus, erklärt Hoffmann. Dann präsentiert er sich in der Farbe, die ihm den Namen gab. Das Rot resultiert vom eisenhaltigen Gestein. Per Fernglas erkennt man auch das Weiß der Polkappen. Das ist gefrorenes Kohlendioxid, erklärt Hoffmann.

Auch Eis wurde dort entdeckt, und wo Wasser ist, könnte es auch Leben gegeben haben. Danach fahnden Marssonden seit 30 Jahren – bisher erfolglos. Kanäle, wie sie der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli 1877 als Zeichen „intelligenten Lebens“ entdeckt zu haben glaubte, gibt es ebenfalls nicht. Auch grüne Männchen, die erdebedrohenden Monster des Schriftstellers H. G. Wells, wurden nicht gesichtet. Selbst der römische Kriegsgott Mars ist heute nur noch Mythos. Feuer und Blut, das damit assoziiert wurde, gibt es auf dem roten Planeten ebenfalls nicht.

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