Politik : Erdmusik

Holger Wild

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Ein esoterisch inspirierter Versicherungskaufmann entdeckt 1907 in einem Schweizer Höhlensystem einen brummenden Stein. Peter Adolphsen zufolge, dem Autor von „Brummstein“, ist der Ton die Resonanz aller Erdbeben, die sich vor Jahrmillionen in dieser Weltgegend ereignet haben. Davon aber weiß der Hobbyforscher nichts, der nur ein Stückchen von dem Stein abschlägt und zur späteren Untersuchung mitnimmt. Auf eigentümliche Weise vibriert dieser Brocken – zur Untersuchung aber kommt es nicht, da der Mann vor der Zeit stirbt, wie die meisten der nachmaligen Besitzer des Fundes. Dessen Weg durch die Zeiten nun erzählt Adolphsen, und die Geschichte dieses Brockens kondensierter Historie ist zugleich die des langen deutschen Jahrhunderts – meisterlich verdichtet auf nur 90 Seiten. Lebensgeschichten treten hervor, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, in wenigen Sätzen konturiert und zum Atmen gebracht. Die überspannte Künstlerin, der eigenbrötlerische Fahrkartenverkäufer, ein jeder führt ein Dasein aus eigenem Recht. Und doch, vor dem unendlichen Alter des Steins ist es nichts als ein Wimpernschlag; und vorbei. Auch prosaisch gestimmte Leser wird dieses Buch in zarter Melancholie zurücklassen.

Peter Adolphsen: Brummstein. Erzählung. Aus dem Dänischen von Hanns Grössel. Nagel & Kimche, Zürich. 91 Seiten, 11,90 €.

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