Erdogan und Lula in Teheran : Dreiertreffen zu Irans Atomprogramm

16.05.2010 23:48 Uhr

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan nimmt nun doch gemeinsam mit dem brasilianischen Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva an den Gesprächen über das iranische Atomprogramm in Teheran teil.

Nachdem er seinen Besuch zuvor wegen mangelnder Zugeständnisse der iranischen Führung als „eher unwahrscheinlich“ bezeichnet hatte, traf Erdogan in der Nacht zum Montag doch noch zu einem Dreiertreffen mit Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad und dem brasilianischen Staatspräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva in der iranischen Hauptstadt ein. Berichten zufolge hatte Teheran zuvor ein Einlenken in der Frage einer Anreicherung seines Urans im Ausland signalisiert. Lula war bereits am Sonntag zu Gesprächen mit Ahmadinedschad zusammengekommen. Die Gespräche in Teheran gelten als letzte Chance, im Streit um das iranische Atomprogramm eine Lösung zu suchen.

Ansonsten drohen dem Iran im Streit um die Urananreicherung weitere Sanktionen des Weltsicherheitsrats. 

Ausschlaggebend für Erdogans Teilnahme an den Gesprächen sei ein Treffen des türkischen Außenministers Ahmet Davutoglu mit seinem iranischen Kollegen Manouchehr Mottaki und Teherans Atom- Chefunterhändler Said Dschalili gewesen. Dabei hätten die Iraner sich positiv zu einer von der internationalen Gemeinschaft vorgeschlagenen Regelung über die Anreicherung des iranischen Urans im Ausland geäußert und sich für die Türkei ausgesprochen, hieß es. In dem seit Monaten diskutierten Atom-Deal geht es um höher angereichertes Uran, das der Iran zum Betrieb eines medizinischen Forschungsreaktors in Teheran braucht. Nach einem IAEA-Vorschlag sollte Teheran sein niedrig angereichertes Uran ins Ausland liefern, um es dort höher anreichern zu lassen. Damit sollte neues Vertrauen zwischen dem Land und den Weltmächten aufgebaut werden. Der Iran hatte sich bislang aber geweigert, sein Uran außer Landes zu bringen und selbst mit der Anreicherung begonnen. Die internationale Gemeinschaft verdächtigt den Iran, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Nuklearwaffen zu entwickeln.

In einer Erklärung nach ihrem ersten Treffen betonten Lula und Ahmadinedschad vor allem die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder. So solle der bilaterale Handel auf ein Volumen von 10 Milliarden Dollar (rd. 8 Milliarden Euro) pro Jahr ausgebaut werden, hieß es. Ahmadinedschad bezeichnete den Iran und Brasilien als zwei Mächte der Zukunft. Übereinkünfte zu weltweit wichtigen Themen würden in der Zukunft ohne solche Länder nicht möglich sein.

In einem Seitenhieb auf die Mitgliedsländer des UN-Sicherheitsrats sagte der iranische Präsident, die Zeit der Hegemonialmächte sei vorbei. Nach Auffassung Lulas sollten Entwicklungsländer stärker zusammenarbeiten. Der brasilianische Präsident traf am Sonntag auch mit Irans oberstem geistlichen Führer Ajatollah Ali Chamenei zusammen. Lula, der für Änderungen im UN-Sicherheitsrat und an den Vetorechten seiner ständigen Mitglieder plädiert, lehnt weitere Sanktionen gegen Teheran ab. Er will zwischen den Konfliktparteien im Atomstreit vermitteln. (dpa)

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite