Politik : Erfolgsabhängige Honorierung sei "abwegig und grotesk"

Ulrike Fokken

Als abwegig und grotesk haben Ärztefunktionäre am Mittwoch den Vorschlag des Chefs der Angestellten-Krankenkassen, Herbert Rebscher, bezeichnet, Ärzte nach dem Erfolg ihrer Behandlung zu vergüten. Chronisch Kranken, Behinderten und älteren Patienten werde damit ein Kainsmal aufgedrückt, sagte Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender der Ärzteinteressenvertretung Marburger Bund. "Sollen wir Ärzte uns aus Gewinninteresse eher auf die erfolgreich Behandelbaren konzentrieren und die Schwerkranken, Sterbenden und Leidenden vernachlässigen?", fragte Montgomery.

"Auf ein schiefes Gleis geraten" - so bezeichnete auch Rainer Hess, Hauptgeschäftsführer der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, die Diskussion um ein Erfolgshonorar. Rebschers Vorschlag sei schon deshalb falsch, weil Ärzte nach dem Praxisbudget bezahlt werden und nur eine bestimmte Summe für Praxis und Patient zur Verfügung steht. Das Geld kommt von den Krankenkassen, die pro Quartal eine Kopfpauschale an die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVn) zahlen - unabhängig davon, ob das versicherte Mitglied zum Arzt gegangen ist oder nicht. Die Kassenärztlichen Vereinigungen splitten das Geld in einem kaum durchschaubaren Punktesystem auf und bezahlen danach die Ärzte in ihrem Sprengel. Wenn die Mediziner also nach dem Erfolg ihrer Behandlung bezahlt werden sollen, müsste das Punktesystem geändert werden.

Nicht die qualitätsorientierte Vergütung, sondern die Verbesserung der Qualität sei daher vordringlich, sagte Hess. So haben die Schwerpunktpraxen für Diabetiker in Thüringen und Bayern gezeigt, dass sich mit guter medizinischer Versorgung unter Umständen Geld sparen lässt. Diabetiker werden dort von ihrem Hausarzt betreut und erst dann an eine Schwerpunktpraxis verwiesen, wenn ihre Blutzuckerwerte unter einen Normwert sinken. Die Ärzte behandeln die Patienten nach bestimmten Leitlinien, die sowohl die Kosten senken als auch die Behandlung verbessern soll. Derartige Leitlinien sollen auch für andere chronische Krankheiten wie Asthma erarbeitet werden.

Trotz der Kritik von Fachleuten an der Forderung nach einem Erfolgshonorar, hat der SPD-Gesundheitsexperte Klaus Kirschner den Vorschlag begrüßt. Er gehe in die richtige Richtung. Außerdem gebe bereits die Gesundheitsreform 2000 eine erfolgsorientierte Vergütung für bestimmte Krankheiten vor.

Im Streit zwischen Betriebskrankenkassen und den großen Ersatzkassen forderte der Vorstandschef der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler, Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) auf, ein "Ausbluten" der Großkassen zu verhindern. Zugleich warf er den preiswerteren Betriebskassen vor, mit Billig-Angeboten "Jagd auf Gesunde" zu machen. Konkret verlangte Fiedler den Finanzausgleich zwischen "starken" und "schwachen" Kassen kurzfristig zu ändern. Der Finanzausgleich belohnt nach Ansicht der Ersatzkassen bisher Kassen mit vielen gesunden Versicherten. Das Ministerium lehnte "Schnellschüsse" ab.

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