ERHARD BUSEK, CHEF BALKAN-STABILITÄTSPAKT : „Putin will Europa auseinanderdividieren“

Was muss geschehen, damit Russland in der Kosovofrage mit sich reden lässt?

Da kann man gar nichts tun. Moskaus Blockadepolitik ist eine Putin’sche Strategie. Der Präsident kann sich ausrechnen, dass damit zumindest die EU-Staaten auf Distanz zu den USA gehen.

Welche Bedeutung haben traditionelle Verflechtungen zwischen Serbien und Russland?

Hier ist gar nichts traditionell! Die Russen sind vom Balkan verschwunden, als ihre Truppen vom Flughafen in Pristina abzogen. Das kann ich als Chef des Stabilitätspaktes sagen: Sie haben in keiner Weise an der Lösung des Problems mitgewirkt. Sie waren zwar bei den Sitzungen dabei und haben allgemeine Kommentare aber keine personelle oder finanzielle Assistenz gegeben. Putin versucht, mit der Kosovofrage und mit dem Thema Energie die Europäer ein bisschen auseinanderzudividieren.

Halten Sie einen militärischen Schlag gegen Kosovo für wahrscheinlich?

Die serbische Zentralregierung hat versichert, dass es dazu niemals kommen wird. Sollte es dennoch dazu kommen, stünde die Armee gegen Nato-Truppen. Denen bliebe dann nichts anderes übrig, als sich zur Wehr zu setzen. Ich halte das nicht für ein realistisches Szenario.

Beobachter fürchten, dass die derzeit moderate politische Führung in Serbien bald von radikalen Kräften abgelöst werden könnte …

Die Gefahr besteht mit und ohne Kosovo. Man muss es einmal umgekehrt sehen: Wenn Kosovo von der Tagesordnung verschwindet, hat die serbische Politik keine Themen mehr. Derzeit ist es der einzige Punkt auf der Agenda.

Das Gespräch führte Sarah Kramer.

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