Erhöhte Strahlenwerte : Radioaktivität im Atomlager Asse deutlich gestiegen

In der Asse steigt die Radioaktivität. Die jetzt gemessenen hohen Cäsiumwerte zeigen, dass bei der geplanten Rückholung des Atommülls aus dem alten Bergwerk die Zeit drängt.

Im niedersächsischen Atommülllager Asse ist die Radioaktivität vor einer Einlagerungskammer stark gestiegen.
Im niedersächsischen Atommülllager Asse ist die Radioaktivität vor einer Einlagerungskammer stark gestiegen.Foto: dapd

Im maroden Atommülllager Asse in Niedersachsen ist die Radioaktivität deutlich gestiegen. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat in einem alten Bohrloch, das der frühere Asse-Betreiber Helmholz-Zentrum München 2008 eingerichtet hatte, eine Konzentration des radioaktiven Stoffes Cäsium von 240 000 Becquerel pro Liter (Bq/l) gemessen. Der in 750 Meter Tiefe festgestellte Wert liege 24 Mal über der erlaubten Freigrenze, sagte ein BfS-Sprecher am Donnerstag.

Das sei der bislang höchste Wert von Cäsium 137 in einer Lösungsprobe, der in dem unterirdischen Salzstock nach dem Ende der Einlagerung im Jahr 1978 gemessen wurde. Der Grund der höheren Werte sei unbekannt. Das BfS habe sichergestellt, dass niemand mit der verstrahlten Lösung direkt in Kontakt kommt und das keine Kontamination nach außen geschleppt werden kann.

Aus der Kammer 12 wird seit Jahren Wasser gedrückt und sammelt sich vor der Kammer. Der genaue Grund ist unbekannt. 2008 hatte die damals zuständige Helmholtz-Gesellschaft in dem gleichen Bohrloch noch eine Aktivität von etwa 90 000 Bq/l, also dem 9fachen Wert über der Freigrenze, gemessen. Damit habe sich die Casium-Konzentration an dieser Messstelle innerhalb von drei Jahren mehr als verdoppelt, teilte das BfS mit. Zusätzlich zu Cäsium 137 wurde in der Lösung das Radionuklid Kobalt 60 gemessen, allerdings nur in einer geringen Höhe von 10,5 Bq/l, hieß es.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Ute Vogt forderte nach Bekanntwerten der hohen Kontamination eine umfassende Aufklärung von der Bundesregierung. Die schwarz-gelbe Koalition müsse klarstellen, dass sie sich bei ihrer angeblichen Neuausrichtung in der Energiepolitik vor der Endlagerfrage nicht drücke. Die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, erklärte: „Die Kontaminationen nehmen zu, die Zeit läuft davon. Das Bundesumweltministerium und das niedersächsische Umweltministerium müssen dafür sorgen, dass jetzt mit den erforderlichen Arbeiten für die Rückholung zügig begonnen werden kann. Die Zeitbombe Asse tickt.“

In dem früheren Bergwerk lagern rund 126.000 Behälter mit schwach und mittelradioaktivem Abfall, die in einer bisher einmaligen Aktion in den kommenden Jahren wieder geborgen werden sollen. Zuvor sollen Experten untersuchen, in welchem Zustand die entsorgten Atommüllfässer sind, die in diversen Kammern lagern. (dpa)

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