Politik : Erlaubt? Ja, aber ...

Markus Feldenkirchen

Die Enquete-Kommission des Bundestages wird keine klare Empfehlung abgeben, wie das Parlament über den Import von embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) nach Deutschland entscheiden soll. Im Bericht der Kommission werden dagegen verschiedene Positionen dargestellt, die das kontroverse Meinungsbild im Parlament widerspiegeln. Trotz des vorsichtig formulierten Entwurfes, der dem Tagesspiegel vorliegt, zeichnet sich nach Angaben von Enquete-Mitgliedern eine Mehrheitsposition ab, wonach der Import der ES-Zellen weiter erlaubt bleiben, aber an strenge Bedingungen geknüpft werden soll.

Der Bericht macht hierzu Vorschläge: So müsse zumindest der Nachweis erbracht werden, dass die importierten Zellen in jedem Fall überzähligen, also dauerhaft verwaisten Embryonen entnommen wurden und nicht von Embryonen stammen, die eigens zu Forschungszwecken hergestellt wurden. Auch müsse eine Einwilligung der Eltern vorliegen. Ferner sollten nur Stammzelllinien importiert werden, die vor einem bestimmten Stichtag erzeugt wurden. Ihre Arbeit mit den Zellen müssten die Forscher dokumentieren und publizieren. Einen ähnlichen Kriterienkatalog favorisiert dem Vernehmen nach auch Forschungsministerin Bulmahn (SPD). Ein wichtiges Argument für diesen Weg sieht die Kommission darin, dass durch den Import bereits im Ausland vorhandener Stammzelllinien die Tötung weiterer Embryonen im In- und Ausland verhindert würde. Am kommenden Montag will die Kommission eine abschließende Stellungnahme formulieren. Auch diese wird eher die unterschiedlichen Positionen abwägen, statt bei der Importfrage oder beim Umgang mit den überzähligen Embryonen in Deutschland einen konkreten Weg vorzuschlagen. Der Bundestag sollte ursprünglich Anfang Dezember über die Importfrage beraten, da die Deutsche Forschungsgemeinschaft am 7. Dezember über einen Förderantrag des Bonner Gehirnforschers Oliver Brüstle entscheiden will. Die Entscheidung wird voraussichtlich erneut auf Ende Januar verschoben, weil der Bundestag mehr Zeit für die Beratung verlangt. Der Bericht der Enquete-Kommission, wie die ausstehende Empfehlung des Nationalen Ethikrats, soll den Abgeordneten bei ihrer Entscheidung als Grundlage dienen.

Deutlicher wird der Kommissionsbericht bei anderen Aspekten der Stammzell-Forschung: Die verbrauchende Embryonenforschung, bei der Eizellen eigens zu Forschungszwecken hergestellt werden, lehnt das Gremium ab. Ebenso das in England erlaubte therapeutische Klonen, bei dem Embryos aus eigenem Erbmaterial erzeugt werden, um daraus ES-Zellen zum Gewebe- oder Organersatz zu gewinnen. Einzig die Entnahme von ES-Zellen aus überzähligen, verwaisten Embryonen wird von der Kommission als Möglichkeit diskutiert. In Deutschland existierten nach Angaben des Berichts Anfang 2001 insgesamt 15 dieser überzähligen Embryonen. Für den Umgang mit ihnen werden lediglich die unterschiedlichen Positionen dargestellt. Die Kommission warnt jedoch davor, dass eine Lockerung des Forschungsverbots an menschlichen Embryonen die gesamte künstliche Fortpflanzung in Verdacht ziehen könne: Dass sie nicht nur den Paaren bei ihrem Kinderwunsch helfen solle, sondern auch "Material für wissenschaftliche Zwecke "produziere. "Es könne sich ein Dammbruch ereignen, der den Embryonenschutz insgesamt aushöhlt", heißt es im Bericht.

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