Politik : Erledigt

In den Wahlkampf der Union soll endlich wieder Ruhe einkehren – sie hofft auf das Kompetenzteam

Stephan Haselberger

Berlin - Am Ende dieser 32. Kalenderwoche, in der die Wahlkämpfer im Konrad-Adenauer-Haus in Bedrängnis gerieten wie selten zuvor, in der die CSU der CDU ein Wahlkampfziel zwischen 42 und 45 Prozent vorgab und Edmund Stoiber den Ruf der Union als Partei der Einheit aufs Spiel setzte – am Ende dieser turbulenten Woche also tut sich die Union einen Gefallen. Er besteht im Wesentlichen darin, nicht mehr viel Kritisches zu sagen zu dem, was Stoiber so zu sagen hatte über frustrierte Wähler in Ostdeutschland im Allgemeinen und die Anhänger der Linkspartei im Besonderen.

Vergleichsweise deutlich wird am Freitag der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang Böhmer. „Im Fußball nennt man so etwas Eigentor“, kommentiert Böhmer die Äußerungen seines bayerischen Amtskollegen, um sogleich eine Beschwichtigungsformel anzuhängen: „Wir haben wirklich andere Probleme, als uns mit Exegese einiger unglücklicher Formulierungen zu beschäftigen.“ Das ist die Linie, die Gültigkeit haben soll für die Union am Ende dieser Woche, welche den vorläufigen Höhepunkt einer spektakulären Pannenserie im Wahlkampf markiert. Nachdem die Kanzlerkandidatin Angela Merkel brutto und netto verwechselt, der brandenburgische Innenminister Jörg Schönbohm vermeintlich Kindsmorde auf die Proletarisierung unter dem SED-Regime zurückgeführt und eben Stoiber mit seinen abschätzigen Äußerungen für Empörung im Osten gesorgt hat, muss nun Ruhe einkehren, unbedingt

Merkel selbst hat dazu bei einem Auftritt in der ZDF-Sendung „Berlin-Mitte“ am Donnerstagabend die Mindestvoraussetzung geschaffen. Ohne den Chef der Schwesterpartei beim Namen zu nennen, widersprach sie Stoiber deutlich wie selten. „Aber Wählerbeschimpfung ist das Falsche, was wir nicht gebrauchen können. Wissen Sie, alles, was dazu beiträgt – gewollt oder nicht gewollt –, dass Deutschland eher wieder gespalten wird als dass wir zur Einheit kommen, ist völlig kontraproduktiv.“

Stoiber dürfte das nicht weiter verwundert haben. Er hatte mit Merkel vor ihrem Fernsehauftritt telefoniert. Über ein Interview mit der „Bild“-Zeitung versuchte er zudem, die Angelegenheit selbst aus der Welt zu schaffen. Im Konrad-Adenauer-Haus, wo man am Donnerstag zunächst nicht glauben wollte, dass Stoiber sich tatsächlich derart über die ostdeutschen Wähler ausgelassen haben sollte, herrschte nach dem Merkel-Auftritt Erleichterung. Damit sei das Thema erledigt, hieß es.

Für den Südwesten galt das freilich nicht. In Baden-Württemberg sorgten Berichte über Äußerungen des Ministerpräsidenten Günther Oettinger für heftige Oppositionskritik. Wie CDU-Generalsekretär Thomas Strobl bestätigte, hatte Oettinger am 5. August in Pforzheim gesagt: „Die Linken und die Mutlosen im Osten Deutschlands dürfen nicht entscheiden, wie Deutschland regiert wird.“

Zu Beginn der 33. Kalenderwoche wird Merkel erfahren, wie groß der entstandene Schaden im Osten tatsächlich ist. Am Montag reist sie nach Wittenberg und Chemnitz, am Dienstag nach Cottbus und Dresden. Am Mittwoch wird sie, gemeinsam mit Stoiber, das Kompetenzteam der Union vorstellen, für das der CSU-Chef schon Wolfgang Schäuble (CDU) und Günther Beckstein (CSU) genannt hat. Nun warten sie in der Union auf die Enttarnung von „Mister X“, wie ein CDU-Mann sagt – Merkels Vorschlag für das Amt des Wirtschafts- und Finanzministers. Die Personalie muss ein Befreiungsschlag werden, sagen manche in der Union.

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