Ermittlung wegen Sachbeschädigung : Grass' Denkmal in Göttingen beschmiert

Günter Grass hat ein Denkmal entworfen und gestiftet, es wurde im April 2011 in Göttingen enthüllt. Nach Grass' israelkritischen Äußerungen ist es mit einer Parole beschmiert worden, die auf die Vergangenheit des Literaturnobelpreisträgers anspielt.

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13.04.2015 12:04Geschichtenerzähler, Mahner und politischer Provokateur: Günter Grass hat in Deutschland viele Rollen ausgefüllt. Seine Romane...

Unbekannte haben auf dem Campus der Göttinger Universität ein von dem Schriftsteller Günter Grass entworfenes und gestiftetes Denkmal beschmiert. Auf dem Sockel der rund zwei Meter hohen Skulptur hinterließen sie mit braunroter Farbe den Spruch „SS! Günni Halts Maul“. Der Literaturnobelpreisträger steht seit Tagen wegen eines israelkritischen Gedichts in der Kritik.

Eine Polizeisprecherin sagte, die Schmiererei sei am Samstagmittag entdeckt worden. Der Hausmeister der Universität habe das Gebäude am Donnerstagabend verlassen. Die Tat müsse sich in dem dazwischen liegenden Zeitraum ereignet haben. Die Polizei ermittele wegen Sachbeschädigung.

Grass und sein Göttinger Verleger Gerhard Steidl hatten das Denkmal vor einem Jahr der Stadt und der Universität Göttingen geschenkt. Die stählerne Skulptur besteht aus dem Buchstaben G und der Zahl 7. Sie erinnert an sieben Göttinger Professoren, die im 19. Jahrhundert gegen die Aussetzung der Verfassung durch König Ernst August protestiert hatten und deshalb entlassen worden waren.
Zu den „Göttinger Sieben“ zählten auch die Sprachforscher Jacob und Wilhelm Grimm. Mit ihrem Wirken hatte sich Grass auch in seinem Buch „Grimms Wörter“ beschäftigt. Der Steidl Verlag besitzt die Weltrechte an dem Werk von Grass.

Das Denkmal war im April 2011 im Beisein von Grass enthüllt worden. Der Schriftsteller hatte bei der Feier Kritik an einigen Entwicklungen der Demokratie in Deutschland geäußert. „Ein Denkmal, das nur die Vergangenheit beschwört, ist nur von beschränktem Wert“, sagte er. Es solle auch „in der Gegenwart wirksam sein“ und als „Hinweis auf unsere demokratischen Zustände“ begriffen werden. (dapd)

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