Politik : Ermittlungen: Eine Spur führt nach Bochum

Auf der Suche nach den Drahtziehern des Terroranschlags auf New York und Washington hat das amerikanische Justizministerium am Freitagabend einen ersten Haftbefehl ausgestellt. Wie der New Yorker Polizeichef Bernard Kerik mitteilte, gilt der Mann als "unentbehrlicher Zeuge". Er verfüge über Informationen, die für die Ermittlungen höchst relevant seien, hieß es, und es habe große Fluchtgefahr bestanden. Der Mann war bereits am Donnerstag auf dem Kennedy International Airport in New York festgenommen worden, weil er sich mit der Pilotenlizenz seines Bruders ausgewiesen hatte. Er wurde jetzt noch einmal formell von der Terrorsonderkommission festgenommen.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Ermittler verhörten außerdem zwei Inder, die am Mittwoch in Dallas festgenommen worden waren. Sie sollen "intime Kenntnisse" des Terrornetzwerks haben, das für die mörderischen Anschläge in New York und Washington mit insgesamt Tausenden von Toten verantwortlich ist, berichtete der Sender NBC am Samstag. Die beiden Inder waren nach einem Handgemenge in einem Zug in Texas festgenommen worden. Sie hatten große Mengen Bargeld sowie Haarfärbemittel und Bolzenschneider bei sich.

Derweil verdichteten sich offenbar die Hinweise, die auf den saudiarabischen Terroristenführer Osama bin Laden als Drahtzieher der Anschläge hinweisen. Alle 19 Terroristen, die am Dienstag an den Selbstmordanschlägen in den USA beteiligt waren, sollen direkte oder indirekte Verbindungen zu bin Laden gehabt haben, berichteten US- Medien unter Berufung auf Ermittlerkreise.

Zu den Ermittlungen in Deutschland sagte Generalbundesanwalt Kay Nehm, bisher habe er noch keine Hinweise darauf, dass die Gruppe Verbindungen zu bin Laden unterhalten habe. Bei zwei Wohnungsdurchsuchungen am Freitagabend in Bochum wurde nach Angaben Nehms ein Koffer mit Flugzeugunterlagen sichergestellt. Er soll Ziad Samir Jarrah, einem der drei am Vortag ermittelten Hamburger Verdächtigen, gehört haben. Der 26-Jährige stand auf der Passagierliste der in Pennsylvania abgestürzten Maschine. Er sei von seiner in Bochum lebenden Freundin als vermisst gemeldet worden. Nehm wies jedoch Spekulationen zurück, wonach es neben Hamburg im westdeutschen Raum eine weitere terroristische Vereinigung islamistischer Fundamantalisten gibt oder gegeben hat. Er bezeichnete die Kontakte Jarrahs ins Ruhrgebiet als privater Natur.

Der Libanese soll bereits im Juni 2000 die Bundesrepublik verlassen und in der Folgezeit zwei verschiedene Flugschulen in Florida besucht haben. Nach Angaben von Verwandten soll er vier Stunden vor seinem Selbstmordflug in einem Telefonat aus den USA "sehr normal" geklungen haben.

Nehm sagte, die Hamburger Terror-Gruppe, die seit Anfang des Jahres bestand, habe "hochkonspirativ gearbeitet". "Die Ermittlungen werden daher sehr schwierig", sagte er. Insgesamt seien bislang bundesweit 13 Wohnungen durchsucht worden. So weit bekannt, gehört das Hamburger Netzwerk nicht zu den 13 im Verfassungsschutzbericht genannten islamisch-fundamentalistischen Organisationen, die unter Beobachtung stehen. Laut Bundesanwaltschaft konzentriert sich das Ermittlungsinteresse auf die rasche Aufhellung des gesamten Lebensumfeldes der Tatverdächtigen. Zu ihnen zählen neben Jarrah auch Mohammed Atta und Marwan Al-Schahi. Sie waren an Bord der Jets, die in die Türme des World Trade Centers in New York rasten.

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