Politik : Ermittlungen: Flugschreiber im Pentagon gefunden

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Drei Tage nach den Terrorangriffen auf New York und Washington ist der Flugdatenschreiber der ins Pentagon gerasten Maschine gefunden worden. Die Ermittler erhoffen sich von der Auswertung der "Black Box" weitere Hinweise auf die Täter, die im Umkreis des zuletzt in Afghanistan lebenden Millionärs Osama Bin Laden vermutet werden. Unter den im Pentagon geborgenen Flugzeugtrümmern befand sich auch das Aufzeichnungsgerät für die Gespräche im Cockpit. Deren Auswertung gilt als entscheidend für die Rekonstruktion der letzten Minuten vor dem Aufprall des Passagierflugzeugs im Verteidigungsministerium. Auch der Flugdatenschreiber des in Pennsylvania abgestürzten Passagierflugzeugs wurde sichergestellt.

In der texanischen Großstadt Dallas befanden sich zwei Männer indischer Herkunft im Gewahrsam des FBI, die möglicherweise Kontakte zu Terrorgruppen haben. Sie waren am Mittwoch bei einer Routinekontrolle in einem Personenzug festgenommen worden. Vor der Küste Floridas nahm die Polizei an Bord eines Ausflugsschiffes zwei Personen fest, die "eine Vorgeschichte als Flugzeugentführer" hätten, berichtete der Nachrichtensender CNN. Bei der bisher beispiellosen Fahndung mit 7000 Beamten hat das FBI bereits rund 50 Täter wie Mittäter identifiziert. Mindestens 18 sind als Entführer erkannt worden. Eine heiße Spur führte auch nach Deutschland.

Am Freitag traf ein FBI-Beamter in Hamburg ein, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Eine hundertköpfige Sonderkommission - je zur Hälfte mit Experten des Landeskriminalamtes und des Bundeskriminalamtes besetzt - arbeitete an der Aufhellung des Umfeldes der mutmaßlichen Terroristen, die zeitweilig in Hamburg lebten. Bis Freitagmittag waren fast 300 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Verdeckte Operationen und Überprüfungen von Wohnungen gingen weiter, ohne dass Polizei oder Bundesanwaltschaft Auskunft darüber geben wollten.

Ein im Zusammenhang mit den Terroranschlägen am Donnerstagmorgen in Hamburg festgenommener Mann wurde indes wieder freigelassen. Es habe sich bei dem Mann, der auf dem Flughafen gearbeitet haben soll, kein Tatverdacht ergeben, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe. Zudem dementierte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, dass es am Donnerstag eine zweite Festnahme in Hamburg gegeben habe. Am Vortag hatte Generalbundesanwalt Kay Nehm berichtet, dass drei der Terroristen, die sich an den Anschlägen in den USA beteiligt haben sollen, zeitweilig in Hamburg gelebt hatten. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" hat das FBI den deutschen Behörden "erdrückendes Beweismaterial" gegen die drei mutmaßlichen Attentäter aus Hamburg übergeben.

Ein iranischer Abschiebehäftling in Hannover, der zwölfmal in den USA anrief und vor Anschlägen warnte, wusste offenbar nichts über die Terroraktionen vom Dienstag. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe erklärte am Freitag, die Warnungen hätten sich auf "diffuse Behauptungen über eine Gefährdung des Weltfriedens und der Weltordnung" beschränkt. Einzelheiten konnte der 29-Jährige nicht nennen. Das war das Ergebnis einer Anhörung des Zeugen durch Beamte der Bundesanwaltschaft, des FBI und des Bundeskriminalamtes. Der Iraner kenne weder die Attentäter noch die Hintergründe der Anschläge, hieß es.

Bei der Fahndung nach den Terroristen bildete unterdessen Interpol eine Spezialeinheit, die von Lyon aus die aus aller Welt kommenden Hinweise bearbeiten soll. In Rotterdam nahm die Polizei am Freitag vier Männer fest, die als extremistische Moslems bezeichnet wurden. Es werde vermutet, dass sie zu einem internationalen Netzwerk radikaler Moslems gehörten. Auch in Belgien sei ein Verdächtiger festgenommen worden, sagte die Polizei. Die philippinischen Behörden nahmen indes mutmaßliche ausländische Terroristen fest, die möglicherweise in die Anschläge in den USA verwickelt sind. Die Festgenommenen seien im Besitz von Bomben gewesen, hieß es.

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