Politik : Ermittlungen gegen 18 Soldaten wegen Misshandlung

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Münster In der Misshandlungsaffäre der Bundeswehr ermittelt die Staatsanwaltschaft Münster gegen 18 Soldaten einer in Coesfeld stationierten Kompanie wegen der entwürdigenden Behandlung von Untergebenen. Ein Hauptmann und 17 Unteroffiziere seien umgehend suspendiert worden und dürften keine Uniformen mehr tragen, sagte ein Sprecher des Heeresführungskommandos in Koblenz. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Münster vom Sonntag sollen 70 bis 80 Soldaten betroffen sein.

Nach einem Bericht des Magazins „Spiegel“ haben die Ausbilder zwischen Juni und September dieses Jahres viermal mit Rekruten eine so genannte Geiselbefragung durchgespielt. Während Nachtmärschen sollen Soldaten überfallen, abtransportiert und später misshandelt worden sein. Die Soldaten wurden laut „Spiegel“ in einen Hinterhalt gelockt, überfallen, mit Kabelbinder gefesselt und auf einem Lastwagen – über die Köpfe graue Stiefelbeutel gestülpt – in die Kaserne gekarrt. Dort hätten sie kniend vor einer Wand verharren müssen und seien mit Wasser bespritzt worden. Zwei Soldaten sollen mit Stromstößen „im Hals-, Leisten- und Bauchbereich“ gequält worden sein. Die Ermittler haben Hinweise darauf, dass die Exzesse gefilmt und fotografiert wurden. Das Wehrstrafgesetz sieht für die Delikte Haftstrafen von bis zu fünf Jahren vor.

„Wir haben sofort gehandelt, weil es so etwas in der Bundeswehr nicht geben darf“, sagte ein Sprecher. Die betroffenen Soldaten hätten sich nicht beschwert, vielmehr habe ein Vorgesetzter die Vorfälle angezeigt. Neben den Ermittlungen erwarte die Beschuldigten auch ein Disziplinarverfahren der Bundeswehr. dpa

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