Politik : Ermittlungen gegen Ex-Chef der Wehrsportgruppe Hoffmann

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Berlin - Eine der bekanntesten Figuren des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik, der Ex-Anführer der Wehrsportgruppe Hoffmann, ist wieder ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. Die Staatsanwaltschaft Gera ermittelt gegen Karl-Heinz Hoffmann und fünf Thüringer Neonazis wegen des Verdachts, im September unerlaubt Sprengstoff beschafft zu haben. „Hoffmann ist einer der Beschuldigten“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jens Wörmann, am Freitag dem Tagesspiegel. In eine Razzia am 6. Oktober habe die Polizei auch Hoffmanns Wohnadresse in Nürnberg sowie zwei Objekte einbezogen, „zu denen er einen Bezug hat“. Insgesamt wurden in Thüringen, Sachsen und Bayern 16 Objekte durchsucht. Sprengstoff fanden die Ermittler nicht, doch sie beschlagnahmten Computer und weiteres Material.

Der 72 Jahre alte Hoffmann hatte 1973 die Wehrsportgruppe („WSG“) gegründet, die seinen Namen trug und in Bayern den bewaffneten Kampf probte. Im Januar 1980 verbot der damalige Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) die mehr als 400 Mitglieder zählende Truppe. Im September des Jahres verübte ein Rechtsextremist aus dem Umfeld der WSG einen Anschlag auf das Oktoberfest in München, bei dem 13 Menschen starben und mehr als 200 verletzt wurden. Im Dezember 1980 erschoss ein Ex-Mitglied der WSG in Erlangen den jüdischen Verleger Schlomo Levin und dessen Lebensgefährtin Frieda Poeschke. Hoffmann und weitere Mitglieder der WSG trainierten Anfang der achtziger Jahre in einem Palästinenserlager im Libanon. Von 1981 bis 1989 saß Hoffmann in Deutschland in Haft.

Im aktuellen Fall ermittelt eine „Soko Feuerball“ der Polizeidirektion im thüringischen Saalfeld. Einige Tatverdächtige aus der rechtsextremen Szene sollen im Sommer bei Telefonaten, die von der Polizei abgehört wurden, über Lieferung und Transport von Plastiksprengstoff C 4 berichtet haben. Frank Jansen

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