Politik : Ermittlungen: Mutmaßlicher Terror-Helfer war Soldat

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Das Bundeskriminalamt (BKA) verfolgt bei den Ermittlungen zu den Hintermännern der Terroranschläge in den USA inzwischen 2000 Hinweise aus der Bevölkerung. Dies teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag in Karlsruhe mit. Das Verteidigungsministerium bestätigte in Berlin, dass der mutmaßliche Hamburger Terroristenhelfer Said Bahaji bei der Bundeswehr gedient hatte. Nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" vom Donnerstag leistete der aus Marokko stammende Deutsche von Januar bis Mai 1999 beim 72. Panzergrenadierbataillon in einem Hamburger Stadtteil seinen Grundwehrdienst ab. Bahaji sei dann aus gesundheitlichen Gründen entlassen worden. Er studierte an der Hamburger Technischen Universität und steht auf der Fahndungsliste des FBI. Der 26-Jährige soll Kontakt zu den mutmaßlichen Attentätern Mohammed Atta und Marwan Al Shehhi gehabt haben, die beide früher ebenfalls an der Technischen Universität Hamburg-Harburg eingeschrieben waren.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA Zu den Ermittlungen in Hamburg, wo vorige Woche drei der mutmaßlichen Selbstmordattentäter enttarnt worden waren, machte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Donnerstag keine neuen Angaben. Zuvor war durch einen Zeitungsbericht bekannt geworden, dass das Hamburger Verdächtigen-Trio vor zwei Jahren fast zeitgleich seine Pässe als verloren gemeldet hat.

Einen Bericht der "Bild"-Zeitung, wonach der Moslemextremist Osama bin Laden möglicherweise von früheren Mitarbeitern der DDR-Staatssicherheit beraten wurde, wollten dagegen weder das BKA in Wiesbaden noch die Bundesanwaltschaft kommentieren. Die "Bild"-Zeitung beruft sich in ihrem Bericht auf eine Biographie des französischen Journalisten Roland Jacquard über bin Laden. Darin schreibe Jacquard: "Es scheint tatsächlich, dass zwei frühere Experten der ostdeutschen Stasi kürzlich acht Monate in einem Camp in Afghanistan verbrachten, um Rekruten mit der Handhabung chemischer und bakteriologischer Einzelwaffen vertraut zu machen."

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Innenministers Fritz Behrens (SPD) halten sich vermutlich bis zu 100 "Terror-Schläfer" in Deutschland auf. Diese fanatischen Kämpfer hätten die Ausbildungslager bin Ladens in den afghanischen Bergen durchlaufen und stellten eine Gefahr dar. Etwa ein Viertel dieser "Sleeper" halte sich möglicherweise in Nordrhein-Westfalen auf. "Einige von denen meinen wir zu kennen", sagte er. Es sei jedoch "äußerst schwierig, in diese Kreise einzudringen, denn es gibt hohe sprachliche und kulturelle Hindernisse", sagte der Chef des Verfassungsschutzes in NRW, Hartwig Möller.

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