Ermittlungen wegen Korruptionsverdacht : Verdacht gegen Sauerland erhärtet sich

Die Duisburger CDU stemmt sich mit aller Macht gegen den Abwahlkampf der Sauerland-Gegner. Doch die Vorwürfe gegen den Oberbürgermeister wiegen immer schwerer.

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Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland inszeniert sich als Opfer.
Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland inszeniert sich als Opfer.Foto: dapd

Theo Steegmann wundert sich in diesen Tagen immer wieder. Als er am frühen Sonnabend die Nachrichten vom Kreisparteitag der CDU in Duisburg vom Abend zuvor liest, schüttelt er nur noch den Kopf. Da feiern die Christdemokraten den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland geradezu überschwänglich, klatschen nach seiner Rede minutenlang und zeigen sich gerührt, als er mit brüchiger Stimme verspricht, weiter für Duisburg arbeiten zu wollen. Für Steegmann, den Sprecher des Duisburger Bündnisses zur Abwahl Sauerlands, ist das kaum noch verständlich, haben doch kürzlich knapp 80 000 Menschen per Unterschrift verlangt, dass der Mann nach der Loveparade-Katastrophe endlich die Verantwortung übernimmt und aus dem Amt scheidet. Als Steegmann dann noch liest, dass der Duisburger CDU-Vorsitzende Thomas Mahlberg dem Amtsinhaber mit den Worten „einhaken und Helm enger schnallen“ das Vertrauen ausspricht, sprudelt es aus ihm heraus: „Das ist Wagenburgmentalität, die kann man nur noch mit Realitätsverlust erklären.“

Mit dieser Wertung nähert sich Steegmann vermutlich präzise dem an, was am Vorabend in einer Duisburger Stadthalle stattgefunden hat. Die örtliche CDU hatte ihre Delegierten eingeladen, um sich auf den Abwahlkampf der Sauerland-Gegner einzustellen. Am 12. Februar sind die Bürger aufgerufen, über den ersten Mann im Rathaus abzustimmen. Das Bündnis gegen den Christdemokraten muss an diesem Tag nicht nur eine Mehrheit erzielen, es müssen auch mindestens 92 000 Duisburger an der Wahl teilnehmen, weil sie sonst ungültig ist. Um einen Erfolg der Abwahl-Befürworter zu verhindern, mobilisiert die CDU gegen die weit verbreitete Stimmung in der Stadt und versucht ihrerseits eine Art Lagerwahlkampf. Wer nicht mehr für Sauerland ist, wird als „links“ gebrandmarkt. „Die Partei hat sich als Bollwerk gezeigt“, schwärmt Mahlberg und beglückwünscht Sauerland, der sich inzwischen als Opfer seiner Gegner inszeniert.

Die Stimmung in Duisburg lässt aber wenig von Mitleid mit Sauerland spüren – und das ist nicht das einzige Handicap des Amtsinhabers. Exakt einen Tag vor dem Wahlkampfauftakt der Christdemokraten haben die Wuppertaler Staatsanwälte Sauerland neue Steine in den Weg gerollt. „Wir bejahen den Anfangsverdacht und ermitteln wegen Vorteilsannahme gegen den Duisburger Oberbürgermeister“, hatten die Wuppertaler Ankläger öffentlich erklärt und einen Korruptionsverdacht gegen den CDU-Mann genährt. Vier Parteispenden über insgesamt 38 000 Euro eines Essener Immobilienentwicklers bringen Sauerland jetzt in Erklärungsnot, denn die Staatsanwälte glauben bei Durchsuchungen Belege dafür gefunden zu haben, dass er über die Spenden im Bilde war und damit einen erheblichen Teil seines Wahlkampfes 2009 finanziert hat. Wenn das bewiesen werden sollte, wären das sogenannte Einflussspenden gewesen, sie sind verboten.

Obwohl Sauerland erklärt, dass er eine „saubere Weste“ habe, erzählen die Ermittler inzwischen eine andere Geschichte. Ihnen ist aufgefallen, wie viele Ungereimtheiten es rings um mehrere Bauprojekte der Essener Immobilienentwickler Kölbl Kruse gibt, die offenbar auch in Duisburg lukrative Geschäfte gemacht und vorher vertrauliche Informationen vom Oberbürgermeister persönlich bekommen haben, wie dem Tagesspiegel vorliegende Akten belegen. Die Entwickler von Kölbl Kruse sicherten sich ein Grundstück auf dem später das Landesarchiv gebaut werden sollte und konnten es hinterher mit Gewinn wieder an das Land zurückverkaufen.

Allein dabei haben sie sich, so sind die Ermittler überzeugt, eine „schwarze Kasse“ für Bestechungsgelder über vier Millionen Euro angelegt. Justizintern gibt es inzwischen Wertungen, die weit über den Anfangsverdacht gegen Sauerland hinausgehen. Der Wahlkampf dürfte für ihn trotz aller Unterstützung aus der eigenen Partei noch schwierig werden.

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