Politik : Ermutigung der Opfer (Kommentar)

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Die "Operation Sturm" war eine der grausamsten Aktionen, mit denen die kroatische Armee 1995 bosnische Serben aus Teilen West- und Zentralbosniens vertrieb. Vor dem Auftakt der Dayton-Friedensgespräche sollte die kroatische Annexion durch entscheidende Geländegewinne besiegelt werden. Akribisch geplant und ausgeführt wurde die Operation von dem jungen aufstrebenden General Tihomir Blaskic. 45 Jahre soll er nun im Gefängnis dafür büßen, länger als alle bisher vom UN-Tribunal verurteilten Militärs. Ein hartes Urteil, obgleich ihm persönlich Mord nicht nachgewiesen werden konnte. Wie hoch erst sollen die Haftstrafen gegen die als Kriegsverbrecher gesuchten Serbenführer Karadzic und Mladic ausfallen? Doch das UN-Tribunal setzt mit seinem Urteil zwei Signale: keine Schonung für jene kroatischen wie serbischen Blaskics - Handlanger der politischen Kriegstreiber Tudjman und Milosevic -, die sich durch gnadenlose Vertreibung, Folter und Mord für hochdotierte Karrieren im System der Diktatoren empfehlen wollten. Und: Ermutigung der Bosnier, die aus Angst vor noch flüchtigen Verbrechern vorerst nicht in ihre Heimat zurückkehrten. Doch Den Haag muss schneller arbeiten. Die Opfer von einst erwarten trotz der schwierigen Beweislage mehr als 16 Urteile in vier Jahren. Das Tribunal muss effektiver arbeiten, auch, um seine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren.

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