Erneuerbare Energien : Röttgen verteidigt Solarförderung gegen Rösler

17.01.2012 00:00 Uhrvon

Energiewende rückwärts: Wie der Wirtschaftsminister und Teile der Unionsfraktion im Bundestag Strom aus erneuerbaren Energien bremsen wollen.

EEG-Debatte

Bundeswirtschaftsminister Rösler (FDP) und die CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Fuchs, Joachim Pfeiffer und Thomas Bareiß wollen das Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) aber offenbar ganz abschaffen. Rösler hat statt des seit 1991 gültigen Förderprinzips ein Quotensystem ins Gespräch gebracht. Die CDU-Politiker wollen neue Windräder oder Solaranlagen nur noch da zulassen, wo es genügend Kapazität im Stromnetz gibt. Dabei haben inzwischen weltweit mehr als 40 Länder Gesetze nach EEG-Modell eingeführt.

Bisher gilt: Strom aus Windkraft, der Sonne, Wasserkraft oder Biomasse hat Vorrang. Er muss als erstes ins Stromnetz eingespeist werden. Außerdem gibt es je nach Technologie spezifische Abnahmepreise, die für jeweils 20 Jahre garantiert sind. Das Ergebnis in Deutschland ist ein Anteil von mehr als 20 Prozent erneuerbarer Energie am Strommix und etwa eine halbe Million Arbeitsplätze in der Branche der Erneuerbaren Energien. Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands Windenergie, findet den Vorschlag der CDU-Politiker absurd. „Damit würden die Netzbetreiber, die den Netzausbau seit Jahren verschleppen, das Tempo der Energiewende bestimmen.“

Die von Rösler nun bemühten Quotensysteme, bei denen der Gesetzgeber den großen Energiekonzernen einen bestimmten Anteil erneuerbar erzeugten Stroms vorschreibt, haben den Praxistest dagegen nicht bestanden. In Großbritannien, wo es ein solches System gab, ist nun ein dem EEG vergleichbares Gesetz beschlossen worden, weil weder das Ausbautempo noch die erhofften Kostenvorteile erreicht wurden. Der grüne Energieexperte Hans-Josef Fell verweist auf „Mitnahmeeffekte“ in Quotensystemen und ebenfalls darauf, dass das Ausbautempo in diesem Fall von den großen Konzernen bestimmt wird, die bisher bekanntlich wenig Interesse gezeigt haben.

Fell weist noch auf etwas anderes hin: Dass die EEG-Umlage, also der Aufpreis, den jeder Stromverbraucher bezahlt, auf 3,592 Cent pro Kilowattstunde gestiegen ist, ist vor allem auf die Kosten für die Entlastungen der Industrie zurückzuführen. Große Stromverbraucher bezahlten keine EEG-Umlage und zudem auch keine Netzgebühren. Allein der Braunkohletagebau in Deutschland profitiert mit 40 Millionen Euro im Jahr von der sogenannten besonderen Ausgleichsregelung des EEG, schrieb Ursula Heinen-Esser, Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, auf eine entsprechende Anfrage von Fell. Das Institut für Zukunftsenergiesysteme (Izes) in Saarbrücken hat für die Grünen in einer noch unveröffentlichten Studie errechnet, dass diese Entlastungen für die Industrie, also ein Liquiditätspuffer für die Übertragungsnetzbetreiber und die besondere Ausgleichsregelung sowie die neueingeführte sogenannte Marktprämie, mit der Produzenten von erneuerbarem Strom mit einer Prämie dazu gebracht werden sollen, ihren Strom nicht über das EEG sondern anderweitig direkt zu vermarkten, den Großteil der Kostensteigerung bei der EEG-Umlage ausmacht. Ohne diese Sonderfaktoren wäre die EEG-Umlage sogar um 0,09 Cent gefallen, heißt es in der Studie. Der Liquiditätspuffer soll die Kosten der Übertragungsnetzbetreiber senken. Die Stromkunden haben nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Jahr 2011 mehr auf das EEG-Konto eingezahlt, als daraus abgeflossen ist - das ist der besagte Puffer. mit dpa

Videos - Politik

Umfrage

Immer wieder wird der Verbleib Griechenlands in der Eurozone kontrovers diskutiert. Was denken Sie?

Service

Grüne Geschäfte - Der Blog

Wir können's besser: Für eine Wirtschaft, die Ressourcen und Klima schont
Der Blog von Tagesspiegel-Autorin Dagmar Dehmer und der Zeit-Online-Autorin Marlies Uken.

Rechtsextremismus in Deutschland

Weitere Themen

Das Kernkraftwerk Philippsburg im Landkreis Karlsruhe. Foto: dapd

Die aktuellen Tagesspiegel-Artikel aus unserem Atomkraft-Themenressort.

Atomkraft

Umfrage

Peter Altmaier von der CDU wird der neue Umweltminister - ist er der richtige Mann für den Posten?

Todesopfer rechter Gewalt

Tagesspiegel-Abo

Foto:

Werden Sie Tagesspiegel-Abonnent und sichern Sie sich tolle Prämien. Spezielle Angebote finden Sie in unserem Aboportal.

Leser werben Leser - Vermitteln Sie einen neuen Tagesspiegel-Leser und wählen Sie Ihre Wunschprämie.

Studentenabo - Profitieren Sie von unseren günstigen Studentenangeboten.

Probeabo - 14 Tage kostenlos den Tagesspiegel lesen.

Tagesspiegel App für iPhone und iPad.

Aboservice - Ob Urlaub, Umzug oder Schwierigkeiten bei der Zustellung - wir helfen Ihnen weiter.

Tagesspiegel Abo
Deutsche ISAF-Soldaten: Der Krieg in Afghanistan geht ins elfte Jahr. Foto: dapd

Der Einsatz am Hindukusch neigt sich dem Ende zu. Eine Übersicht über alle Artikel zum Afghanistan-Krieg finden Sie hier.

Alles über Afghanistan
Wie geht es weiter mit dem Euro und der EU? Foto: Reuters

Zehn Jahre Euro. Alle Artikel zur Finanzeskalation im Krisenjahr 2011, wirtschafts- und finanzpolitische Themen in unserem Themenressort.

Euro-Krise

Krankenkassen-Vergleich

Foto:

• Beitragsrechner
• Versicherungsvergleich
• Tipps zum Wechsel

Der schnelle Weg zur günstigen Krankenkasse.

Hier vergleichen
Foto:

Das politische Geschehen in der Hauptstadt. Hautnah. Alles über die Berliner Landespolitik und ihre Akteure lesen Sie hier.

Berliner Landespolitik
Braunkohle-Tagebau des Vattenfall-Konzerns bei Jänschwalde .Aus Jänschwalde und Cottbus-Nord werden täglich zirka 60.000 Tonnen Braunkohle gefördert. Mit dieser Energie kann der Tagesbedarf einer Großstadt gedeckt werden. Foto: dpa

Solarenergie, Berichte von den Klimakonferenzen, Atomkraft und vieles mehr aus den Themenbereichen "Energie und Umwelt".

Energie

Biowetter, Deutschlandwetter und internationales Wetter, Niederschlagsmengen, Reisewetter und aktuelle Satellitenbilder. Behalten Sie das Wetter im Griff!

Tagesspiegel Wetterseite