Erneuerbare Energien : Wachstum trotz Krise

Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten deutschen Verbrauch ist 2009 auf 10,3 Prozent gestiegen.

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Im Aufbau. Die Windbranche ist von der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr ziemlich verschont geblieben. Allerdings haben die Windräder in Deutschland weniger Strom produziert als im Vorjahr. Es herrschte ziemlich oft Flaute.
Im Aufbau. Die Windbranche ist von der Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr ziemlich verschont geblieben. Allerdings haben die...Foto: Frank Ossenbrink

Berlin - Trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise ist der Anteil der erneuerbaren Energien an der deutschen Energieversorgung im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Insgesamt ging der Energieverbrauch in Deutschland im Krisenjahr 2009 um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. 10,3 Prozent des gesamten Endenergieverbrauchs sind 2009 aus erneuerbaren Energien gedeckt worden, ein Jahr zuvor waren es noch 9,3 Prozent. Der Anteil am Stromverbrauch ist auf 16,1 Prozent gestiegen, 2008 waren es noch 15,2 Prozent. Das geht aus den vom Bundesumweltministerium am Samstag veröffentlichten Zahlen zum Stand der erneuerbaren Energien hervor.

Nicht nur beim Strom, auch bei der Wärmeversorgung ist der Anteil der erneuerbaren Energien gestiegen. 2009 wurden 8,8 Prozent der Heizwärme aus Holz, Solarthermie oder Erdwärme gedeckt. Im Vorjahr waren es noch 7,4 Prozent gewesen. Dagegen ist der Anteil von Biosprit am Kraftstoffverbrauch leicht zurückgegangen, auf 5,5 Prozent nach 5,9 Prozent im Jahr 2008. Bei den Investitionen in den Erneuerbare-Energien-Markt war selbst 2009 von Krisenanzeichen wenig zu spüren: Insgesamt 20 Milliarden Euro sind in Windräder, Biomasseheizungen, Solaranlagen oder Biogasanlagen investiert worden. 2008 waren das noch 15,3 Milliarden Euro.

Die Wertschöpfung durch den Betrieb der Anlagen ist ebenfalls gewachsen, von 15,3 Milliarden Euro im Jahr 2008 auf 16 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Und das, obwohl 2009 ein Flautenjahr war. Es wehte so wenig Wind, dass die Stromerzeugung mit 37,8 Terawattstunden „erkennbar hinter den Potenzialen zurückblieb“. Die Windenergieleistung ist um 1917 Megawatt auf 25 777 Megawatt angewachsen, doch im Vorjahr hatten die Windräder mit 40,5 Terawattstunden deutlich mehr Strom erzeugt. Und bei den Biogasanlagen geht der Ausbau weiter zügig voran. Zudem sind nirgendwo auf der Welt 2009 mehr Fotovoltaikanlagen aufgebaut worden als in Deutschland. Rund 3800 Megawatt Solarstromleistung wurden neu installiert . Der Anteil des Sonnenstroms am gesamten Stromverbrauch stieg erstmals auf genau ein Prozent.

Insgesamt sind 108 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen durch den Einsatz erneuerbarer Energien vermieden worden, heißt es im Bericht des Umweltministeriums. Die Energiewirtschaft hat 2008 rund 357,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre geblasen. Neuere Zahlen sind noch nicht verfügbar. Die Haushalte haben 153,4 Millionen Tonnen CO2 emittiert, und der Verkehr hat mit weiteren 153,5 Millionen Tonnen zum Treibhausgasausstoß beigetragen. Die Industrie kam 2009 auf 95,9 Millionen Tonnen. Daraus ergibt sich, dass die Energiewirtschaft für nahezu die Hälfte der deutschen Treibhausgasemissionen verantwortlich war, der Anteil liegt bei genau 47 Prozent. Es folgen die Haushalte und der Verkehr gleichauf mit jeweils 20,2 Prozent, die Industrie war für 12,6 Prozent an den insgesamt 760 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen in Deutschland beteiligt.

2009 haben 300 500 Menschen ihr Geld in der Erneuerbaren-Energien-Branche verdient. 2008 gab es dort noch 278 000 Jobs. Die meisten Beschäftigten arbeiten in der Biomasse-Branche mit 109 000 Menschen, es folgen die Windbranche mit 87 100 Beschäftigten und die Solarbranche mit 79 600 Arbeitsplätzen. Die Kosten für den Strom aus erneuerbaren Energien sind seit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) deutlich gestiegen. Im Jahr 2000 sind noch eine Milliarde Euro auf die Stromrechnungen der Nicht-Industriekunden umgelegt worden, im Jahr 2009 waren es 4,7 Milliarden Euro. Das entspricht 1,2 Cent pro Kilowattstunde. Für einen Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 3500 Kilowattstunden hat die Förderung der erneuerbaren Stromerzeugung damit rund 3,40 Euro im Monat gekostet. Seit diesem Jahr wird der Strom aus erneuerbarer Erzeugung jedoch an der Strombörse EEX in Leipzig vermarktet. Wie sich das auf die EEG-Umlage und damit den Preis für die Förderung auswirken wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Deutschland ist übrigens beim Stromverbrauch erneuerbarer Energien in Europa im Mittelfeld zu finden. Österreich deckte 2008 sogar 62 Prozent des Verbrauchs durch erneuerbare Energien. Es folgen Schweden mit 55,5 und Lettland mit 41,2 Prozent.

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