Erpressung oder Bestechung? : Explosive Details über einen König

Zwei Reportern wird vorgeworfen, von Marokkos König Geld erpresst zu haben, damit ein Buch über ihn nicht erscheint. Doch die stellen den Fall anders da.

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De Erpressung des Königs durch die beiden französischen Reporter war großes Thema in der marokkanischen Presse.
De Erpressung des Königs durch die beiden französischen Reporter war großes Thema in der marokkanischen Presse.Foto: Fadel Senna/AFP

Erpressung oder Bestechung? Zwischen diesen beiden Tatvorwürfen muss die französische Justiz im Fall der beiden Journalisten nach der Wahrheit suchen, die vom marokkanischen König Mohammed VI. angeblich drei Millionen Euro für den Verzicht auf die Veröffentlichung eines Buchs gefordert haben sollen. Die Journalisten Eric Laurent und Catherine Graciet, gegen die Rabat Anzeige erstattet hatte, waren vergangene Woche unmittelbar nach einem von der Polizei beobachteten Treffen festgenommen worden, bei dem sie 80 000 Euro angenommen und eine Vereinbarung unterzeichnet hatten, nie mehr etwas über Marokko zu schreiben. Gegen sie wurde ein Untersuchungsverfahren wegen Erpressung eröffnet.

Graciet fürchtete eine Falle

Doch handelte es sich wirklich um eine Erpressung? Oder war es der Versuch einer Bestechung, eine von dem Anwalt des Königs mit Wissen der französischen Polizei gestellte Falle? Der Zeitung „Le Monde“ schilderte Laurent jetzt seine Version der Affäre. Danach hatte er für ein mit seiner Kollegin Graciet geplantes Buch über das marokkanische Königshaus im Juli Kontakt mit einem Sekretär des Königs aufgenommen, um Stellungnahmen zu einer Reihe von Informationen über dessen Familie einzuholen. Im Verlauf eines ersten Treffens in Paris habe der Anwalt des Königs dann den Vorschlag einer Geldzahlung als Gegenleistung für den Verzicht auf das Buch eingebracht. „Die Idee stammt von ihm“, sagte Laurent. Aus Geldsorgen wegen einer schweren Erkrankung seiner Frau habe er sich darauf eingelassen. Seine Kollegin Graciet war zunächst skeptisch, sie fürchtete eine Falle, sagte sie „Le Monde“. Schließlich machte sie doch mit, weil sie sich davon einen Beweis dafür versprach, „dass das Königshaus Journalisten korrumpiert“.

Laurent glaubt nicht, dass er mit dem Deal gegen journalistische Grundsätze verstoßen hätte. „Es war eine Versuchung, keine Erpressung“, sagte er. Als freier Journalist könne er im übrigen mit seinen Information machen, was ihm beliebt. Das Buch will er nun doch veröffentlichen. Angeblich enthält es explosive Details über die Machtkämpfe in der Königsfamilie und deren verschwenderischen Lebensstil.

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