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Erschossener Flüchtling : Bulgariens Präsident: Vorfall ist "Markstein" der Flüchtlingskrise

Bulgariens Präsident Rossen Plewneljew bedauert den tödlichen Schuss auf einen Flüchtling an der Grenze zur Türkei. Der Afghane ist wohl von einem Querschläger aus der Waffe eines Wachmanns getroffen worden und auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben.

An der Grenze zwischen der Türkei und Bulgarien ist ein Flüchtling erschossen worden. dpa
An der Grenze zwischen der Türkei und Bulgarien ist ein Flüchtling erschossen worden.Foto: dpa/EPA/Vassil Donev

Der bulgarische Präsident Rossen Plewneljew hat den Zwischenfall bedauert, bei dem in der Nacht zum Freitag nahe der Grenze zur Türkei ein afghanischer Flüchtling von einem Schuss eines bulgarischen Grenzschützers tödlich getroffen wurde. Der "tragische" Vorfall werde zu einem "Markstein" in der "schweren Flüchtlingskrise in Europa", erklärte Plewneljew am Freitag. Es war das erste Mal, dass in der aktuellen Flüchtlingskrise in Europa ein Flüchtling von einem Mitglied der Sicherheitskräfte tödlich getroffen wurde.

Der Zwischenfall, der sich in der Nähe von Sredez ereignete, sei für ihn eine Gelegenheit, "zu schnellen gemeinsamen Maßnahmen" der Europäer aufzurufen, erklärte Plewneljew. Ministerpräsident Boiko Borissow hatte während des EU-Gipfels in Brüssel von dem tragischen Zwischenfalls erfahren und war daraufhin in seine Heimat zurückgereist.

Innenminister Georgi Kostow sagte am Freitagmorgen bei einer Pressekonferenz, die in der Nähe des Vorfalls abgehalten wurde, der afghanische Mann sei auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Drei Polizisten hatten nach eigenen Angaben Warnschüsse abgefeuert, der Afghane sei von einem Querschläger getroffen worden.

Eine Sprecherin des bulgarischen Innenministeriums sagte, der Mann habe gemeinsam mit einer größeren Gruppe versucht, von der Türkei aus nach Bulgarien zu kommen. Nach ersten Erkenntnissen sei der Mann von einem Querschläger getroffen worden, als ein Grenzschützer Warnschüsse auf eine Gruppe von afghanischen Flüchtlingen abgab, sagte ein ranghoher Vertreter des bulgarischen Innenministeriums in der Nacht zum Freitag dem Rundfunksender BNR. Er sei auf dem Weg zum Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Der Vorfall ereignete sich demnach in der Nähe der südostbulgarischen Kleinstadt Sredez.

Laut dem Stabschef des Ministeriums, Georgij Kostow, gehörte der Mann einer Gruppe von rund 50 afghanischen Flüchtlingen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren an. Diese hätten den Anordnungen der Grenzpatrouille, sofort anzuhalten und umzukehren, keine Folge geleistet, sagte er BNR. Daraufhin habe einer der Grenzschützer Warnschüsse abgegeben, einer davon müsse "abgeprallt und den Mann am Nacken getroffen" haben. Laut Kostow war keiner der Flüchtlinge bewaffnet. Die restlichen Männer aus der Gruppe seien festgenommen und Ermittlungen zum genauen Tathergang eingeleitet worden.

Es ist der erste tödliche Schuss von einem Sicherheitsbeamten seit Beginn der Flüchtlingskrise in Europa.

Der Zwischenfall belastete auch den EU-Gipfel in Brüssel. Der bulgarische Regierungschef Boyko Borissov erfuhr davon während des und reiste vorzeitig ab. Gipfelchef Donald Tusk sagte am frühen Freitagmorgen: „Dies ist das nächste Argument dafür, wie wichtig unsere Diskussion heute Abend war.“ Bei dem Treffen der Staats- und Regierungschefs ging es um die Flüchtlingskrise und einen gemeinsamen Aktionsplan mit der Türkei. (AFP, dpa)

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