Politik : Erschossener war kein Terrorist Londoner Polizei verhört weitere Verdächtige

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London Terrorfahnder haben bei der Jagd auf die Verantwortlichen der missglückten Anschläge von London einen Unschuldigen erschossen. Ein Mann, der am Freitag von Polizisten in Zivil in der Londoner U-Bahnstation Stockwell niedergestreckt wurde, habe nicht in Beziehung zu den Attentatsversuchen vom Donnerstag gestanden, teilte Scotland Yard am Samstag in der britischen Hauptstadt mit. „Unter diesen Umständen das Leben zu verlieren ist eine Tragödie, die die Londoner Polizei bedauert“, sagte ein Sprecher. Eine interne Untersuchung des Geschehens wurde angekündigt.

Scotland Yard-Chef Ian Blair hatte am Vortag gesagt, es gebe eine „direkte Verbindung“ zwischen dem Mann, der nach Medienberichten aus Brasilien stammen soll, und den versuchten Anschlägen auf drei U-Bahnen und einen Bus. Nach Augenzeugenberichten hatte ein Polizist in Zivil dem asiatisch aussehenden Mann in der Station fünf Mal in den Kopf geschossen. Zuvor hatte der Verdächtige auf Anweisungen der Polizei, stehen zu bleiben, nicht reagiert und versucht, in einen U-Bahnzug zu springen.

Britische Muslime forderten eine Überprüfung der Polizeipolitik im Zuge der laufenden Terrorfahndung und riefen zu Zurückhaltung auf. Er könne den Druck, der auf der Polizei laste, verstehen, sagte Iqbal Sacranie, Generalsekretär des Muslimischen Rates in Großbritannien. Aber es müsse „größte Sorge getragen werden, dass unschuldige Menschen nicht auf Grund von Übereifer getötet werden“.

Unterdessen lief die Fahndung nach den Verantwortlichen der fehlgeschlagenen Bombenanschläge weiter auf Hochtouren. Die Polizei verhörte zwei Terrorverdächtige, die am Freitagabend und in der Nacht festgenommen worden waren. Polizeichef Blair sagte der BBC, die Festnahmen seien „sehr viel versprechend“. Scotland Yard erhielt nach der Veröffentlichung von Aufnahmen der vier mutmaßlichen Attentäter etwa 400 Anrufe. Die Aufnahmen stammten von Überwachungskameras, die in den drei U-Bahnen und dem Bus installiert waren, wo die Bomben explodieren sollten. Allerdings detonierten nur die Zünder. Kriminaltechniker untersuchen die nicht gezündeten Bomben. Es gab Spekulationen, dass der verwendete Sprengstoff aus derselben Quelle wie die Bomben vom 7. Juli stammen könne. Danach hatten drei der vier Bomben vom Donnerstag die gleiche Größe und das gleiche Gewicht wie jene Sprengsätze. Möglicherweise stieß die Polizei am Samstag noch auf eine fünfte Bombe im Nordwesten Londons. dpa

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