Politik : Erst aufgeräumt, jetzt abgeräumt

Kajo Neukirchen galt als der härteste Sanierer der deutschen Industrie – jetzt wird er Opfer der eigenen Strategie

Dieter Fockenbrock

Mit unfähigen Führungskräften hat Kajo Neukirchen nie lange gefackelt. Er feuerte sie. Allein bei der Metallgesellschaft, die heute neumodisch MG Technologies heißt, waren es über ein Dutzend. Jetzt ist der MG-Vorstandschef selbst gefeuert. Am Freitag ist Dienstschluss. Der Frankfurter Konzern hat einen neuen Hauptaktionär und der setzt Neukirchen vor die Tür – wegen Unfähigkeit.

Der 61-jährige zählt zu den bekanntesten, aber auch zu den umstrittensten Managern in Deutschland. Sein Ruf als knallharter Sanierer ist legendär, sein zuweilen rüder Umgangston ebenfalls. Wo Neukirchen antritt, fliegen die Fetzen. Wenn Neukirchen antritt, bleibt kein Job sicher. Erst beim Stahlkocher Hoesch, der jetzt zu Krupp gehört, später bei FAG Kugelfischer oder beim Kölner Motorenbauer Deutz. Neukirchens Strickmuster war immer gleich: Die alte Führungsriege musste gehen, tausende von Arbeitsplätzen wurden gestrichen. Das brachte ihm viel Kritik ein, aber auch Zustimmung. Selbst Gewerkschafter loben seine Kompromisslosigkeit. Das sagen sie nicht laut. Denn wo Jobs wegfallen, ist Protest erste Pflicht. Neukirchen ist die Rolle des Sanierers nie losgeworden. Die Banken haben ihn zu gern engagiert. Er war konkurrenzlos. Denn wer wollte ihm auch seine Rolle als Enfant Terrible der deutschen Wirtschaft streitig machen? Neukirchen selbst liebte das – zu gern kokettiert er damit. Ein Manager, sagt er, wird nicht angestellt, weil er sympathisch ist. „Effizient muss er sein, hart in schwierigen Zeiten und locker, wo es um Kreativität geht.“ Um Sprüche war er nie verlegen. Sein Meisterstück sollte er bei der Metallgesellschaft abliefern. Der Traditionskonzern stand 1993 wegen hochspekulativer Ölgeschäfte vor dem Konkurs. Neukirchen schaffte die Wende in letzter Minute und krempelte den Gemischtwarenladen völlig um. Jetzt, zehn Jahre später, muss er gehen. Weil seine Strategie nicht aufgeht, meint der neue Eigentümer.

Das sieht der Gefeuerte naturgemäß anders. Doch er beugt sich den neuen Machtverhältnissen nicht ohne seinem Prinzip treu zu sein: Leistung muss sich lohnen. Neukirchen geht mit 15 Millionen Euro Abfindung, Dienstwagen, Fahrer und Sekretärin, sagen Gerüchte. Alles Quatsch, lässt er ausrichten. Trotzdem dürfe der Chefsanierer der Nation auch seine letzte Verhandlung in eigenen Sache mit bekannter Härte geführt haben. Erfolgreich vermutlich.

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