Politik : Erst das Land…

Hans Monath

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Von Weihnachtsstimmung ist im Regierungsviertel in diesem Jahr fast gar nichts zu spüren. Geschenkkörbe werden wegen der Krise seit Jahren nicht mehr ausgeliefert, viele Weihnachtsfeiern fallen wegen Arbeitsüberlastung mit Verhandlungen bis kurz vor Heiligabend aus oder sind schlecht besucht. Nur die nahen Unter den Linden präsentieren sich in Lichterschmuck. Im Regierungsviertel selbst stehen einige einsame Weihnachtsbäume im Regen herum. Wenigstens bemühen sich einige wenige Politiker bewusst um adventliche Gedanken. Wie man der Weihnachtszeit huldigt, ohne dabei kämpferischen Elan für die eigene Politik vermissen zu lassen, demonstrierte diese Woche der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen. Volker Beck sollte Auskunft geben, ob er nach den Signalen aus der Union einen Erfolg im Vermittlungsausschuss für wahrscheinlich halte. Der Abgeordnete, der dem Sarkasmus nicht völlig abgeneigt ist, fasste seine Antwort in ein Bild: „Die Union blinkt da wie ein Weihnachtsbaum, in alle Richtungen.“ Die Union, der verwirrende Weihnachtsbaum, welche Rolle bleibt da für die Regierung? Das Christkind? Der Geschenkeverteiler? Beck bemühte den Weihnachtsvergleich noch ein zweites Mal. „Wenn es dieses Spitzentreffen gibt, sind wir bereit zu kommen“, versicherte er und schob eine verantwortungsethische Begründung für die Arbeitsbereitschaft am dritten Adventssonntag nach, die auch einen Weihnachtsmann überzeugen könnte: „Erst das Land und dann der Adventskranz.“ Wenn’s mit dem Kompromiss klappt am Sonntagabend, wird sich bestimmt auch noch ein Politiker finden, der dann ein Weihnachtsglöckchen läutet. Von wegen Bescherung und so.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben