Politik : Erst im zweiten Anlauf durch den TÜV

Dagmar Dehmer

Es war eine der letzten Handlungen der alten Regierung. Die Bundestagswahl 1998 war bereits verloren, der Amtsantritt der rot-grünen Koalition stand kurz bevor. Da verlängerte die damalige Umweltministerin Angela Merkel (CDU) noch schnell den Vertrag von Professor Adolf Birkhofer bis 2002. Der atomfreundliche Physiker ist seit der Gründung der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) 1977 Geschäftsführer des Unternehmens, das hauptsächlich für die Bundesregierung seine Gutachten schreibt. Merkels Nachfolger Jürgen Trittin (Grüne) war nicht besonders amüsiert. Doch am späten Donnerstagabend gelang es dem Umweltminister im zweiten Anlauf, seinen Wunschkandidaten Lothar Hahn als Birkhofer-Nachfolger durchzusetzen.

Der Physiker Hahn (57) arbeitet seit 1978 für das Darmstädter Öko-Institut. Schon 1999 berief Trittin den Atomkritiker zum Vorsitzenden der Reaktor-Sicherheits-Kommission (RSK). Mit der Neugruppierung der Beratungsrunde sei erstmals ein Gremium der "Atomgemeinde" mit Befürwortern und Kritikern besetzt worden, sagt Michael Schroeren, Sprecher des Umweltministeriums. "Das war ein entscheidender Schritt zur Erhöhung der Sicherheit", findet er. Als RSK-Vorsitzender hat sich Hahn in den vergangenen knapp drei Jahren einigen Respekt auch der Gegenseite erarbeitet. Trotzdem gelang es ihm nicht, die notwendige Dreiviertel-Mehrheit der GRS-Gesellschafter bereits beim ersten Anlauf Anfang Dezember zu bekommen.

Gesellschafter der GRS sind neben dem Bund (46 Prozent) die Länder Nordrhein-Westfalen und Bayern (je vier Prozent) sowie die Technischen Überwachungsvereine (TÜV) und der Germanische Lloyd (46 Prozent). Hahn dürfte im ersten Anlauf am TÜV gescheitert sein. Denn zuvor hatte er die Gutachter wegen der Pannen im Atomkraftwerk Phillipsburg scharf kritisiert. Zum 1. Januar wird Hahn nun doch GRS-Geschäftsführer. Er war der einzige Kandidat.

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