Politik : Erste Flüchtlinge kommen in Deutschland an

BONN/NÜRNBERG (AFP).Die ersten Kosovo-Flüchtlinge sind am Mittwoch nachmittag in Deutschland eingetroffen.Eine Maschine der Bundesluftwaffe landete mit rund 60 Flüchtlingen aus der mazedonischen Hauptstadt Skopje auf dem Nürnberger Flughafen, wie das bayerische Innenministerium mitteilte.Bis zum Donnerstag morgen sollen fünf weitere Flugzeuge folgen; insgesamt werden rund 630 Kosovo-Vertriebene in Bayern erwartet.Die gesunden Passagiere sollen vom Flughafen zur Landesaufnahmestelle für Aussiedler in Nürnberg gebracht werden.Kranke und hilfsbedürftige Vertriebene werden nach Angaben der Behörden zunächst im Flughafen medizinisch betreut.Nach Angaben des bayerischen Sozialministeriums handelt es sich bei den Flüchtlingen vorwiegend um Frauen und Kinder.

Nach Angaben des Sozialministerium werden die gesunden Flüchtlinge ohne bürokratische Formalitäten und ohne Paßkontrollen direkt zu der Landesaufnahmestelle gebracht, einem ehemaligen Arbeiterwohnheim der Firma Grundig.Mit der Feststellung der Personalien wollen die Behörden erst am Donnerstag beginnen; dann sollen die Flüchtlinge auch ein "Taschengeld" von 80 Mark pro Person erhalten.In den nächsten Tagen sollen die Flüchtlinge auf die bayerischen Bezirke verteilt werden.Die Betroffenen erhalten eine befristete Aufenthaltsbefugnis.Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung von je rund 1000 Mark monatlich sollen Bund und Land zur Hälfte aufbringen.

Die Lufthansa ist nach Angaben einer Sprecherin nun doch bereit, Kosovo-Flüchtlinge aus der Krisenregion auszufliegen.Die noch am Dienstag geäußerten Sicherheitsbedenken gegen die Flüge seien nach nochmaligen Verhandlungen mit dem Bund ausgeräumt worden, sagte die Sprecherin.Die Lufthansa hatte nach ursprünglichen Planungen bereits am Mittwoch vom Kosovo nach Deutschland fliegen sollen, dies dann aber wegen Sicherheitsbedenken in letzter Minute abgelehnt.Wann die Lufthansa nun mit ihren Flügen beginnt, blieb offen.

Die Grünen forderten unterdessen, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, als bisher geplant."Die bisher genannten verbindlichen Zahlen sind angesichts des Ausmaßes des Elends eine lächerliche Größe - nicht mehr als ein humanitäres Alibi", erklärte die menschenrechtspolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Roth.Insgesamt ist in der Europäischen Union die Aufnahme von 450 000 Menschen aus den Krisengebieten geplant.Auch Deutschland nehme zu wenig Flüchtlinge auf.Die bisher genannte Zahl von 10 000 Menschen, die in Deutschland untergebracht werden sollen, sei unverhältnismäßig gering angesichts des stetig anwachsenden Flüchtlingselends.

Die ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken Kroatien und Slowenien könnten nach Regierungsangaben zusammen etwa 5000 Flüchtlinge aus dem Kosovo aufnehmen.Der slowenische Innenminister Borut Suklje erklärte am Mittwoch im Fernsehen die Bereitschaft seiner Regierung, 2000 Flüchtlingen vorübergehend eine Zuflucht zu bieten."Diese Zahl entspricht unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten." Während des Bosnien-Krieges hatte Slowenien, das zwei Millionen Einwohner hat, in 50 Aufnahmelagern knapp 20 000 Flüchtlinge versorgt.Auch Kroatien bereitete sich auf die Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Krisengebiet vor.Nach Angaben der Tageszeitung "Vjesnik" in Zagreb sei in der Stadt Konavle südlich von Dubrovnik nahe der Grenze zu Montenegro alles für die Errichtung eines Flüchtlingslagers für etwa 3000 Personen vorbereitet.Der örtliche Zivilschutz von Konavle habe schon mit der Ausbildung von Helfern begonnen.

Das Emirat Kuwait spendet eine Million US-Dollar zur Linderung des Elends der Kosovo-Flüchtlinge.Wie der Emir von Kuwait, Scheich Dschabir Al Ahmed Al Sabah durch die Regierung mitteilen ließ, wurde außerdem ein Transportflugzeug mit Hilfsgütern für die überwiegend in Albanien und Mazedonien gestrandeten Flüchtlinge auf den Weg geschickt.Die Hilfe werde als Zeichen der Solidarität mit den moslemischen Glaubensbrüdern geleistet, hieß es.

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