Erste Fremdsprache : Kein Pflichtfranzösisch entlang des Rheins

Die grenznahen Schulen in Baden-Württemberg müssen weiter Englisch als erste Fremdsprache anbieten. Das Kultusministerium will entlang des Rheins Französisch verpflichtend zur ersten Fremdsprache machen.

Französisch
Die Schüler müssen weiter die Wahl zwischen Englisch und Französisch haben. -Foto: ddp

MannheimSchüler badischer Gymnasien an der Grenze zum Elsass müssen vorerst kein Französisch als erste Pflichtfremdsprache lernen. Der Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden- Württemberg setzte eine Rechtsverordnung des Stuttgarter Kultusministeriums bis zur Hauptverhandlung aus. Der einstweiligen Anordnung zufolge könnten auch Gymnasien entlang des Rheins vorläufig weiter Englisch als erste Fremdsprache anbieten, sagte ein Gerichtssprecher. Zur Begründung hieß es, innerhalb eines Bundeslandes müsse eine Schulausbildung ohne Brüche und Benachteiligungen gewährleistet sein - etwa bei einem Umzug.

Die Verordnung des Ministeriums sollte am 1. August in Kraft treten. Damit wären Schüler "in Grenznähe zu Frankreich" vom Schuljahr 2007/08 an in der Regel verpflichtet, ab der fünften Klasse Französisch als erste Fremdsprache zu lernen - während in den übrigen Landesteilen Englisch als erste Fremdsprache vorgeschrieben wäre. Dagegen hatten ein Schüler aus Karlsruhe und dessen Mutter geklagt.

Pädagogische Gesichtspunkte nicht ausreichend beachtet

Auch im Hauptsachverfahren werde die Verordnung nach derzeitigen Erkenntnissen "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" aus formellen Gründen keinen Bestand haben, sagte der Sprecher. Das Ministerium habe vorrangig nach regionalen und nicht nach pädagogischen Gesichtspunkten entschieden. Für eine solche politische Entscheidung sei jedoch ein förmliches Gesetz nötig, das der Landtag beschließen müsse - eine Rechtsverordnung reiche dafür nicht aus.

An den Grundschulen zwischen Lörrach und Karlsruhe wird bereits Französisch gelehrt. Dies beanstandete das Gericht nicht, da die Fremdsprache dort nicht versetzungsrelevant sei. Der baden-württembergische Kultusminister Helmut Rau (CDU) hatte argumentiert, das Französisch lernen erleichtere den Kindern den Weg in die Mehrsprachigkeit. Zudem hatte er auf bessere Aussichten am Arbeitsmarkt verwiesen, wenn Schüler die Sprache des Nachbarn lernen. In Baden hatten seit Monaten zahlreiche Eltern, Lehrer, Politiker und Vertreter der Wirtschaft gegen die Französischpflicht protestiert. (mit dpa)

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