Erste Konsequenz : SPD-Managerkreis wirft Sarrazin aus Vorstand

Thilo Sarrazins umstrittene Thesen haben eine erste Konsequenz: Der Managerkreis der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung verzichtet auf ihn als Vorstandsmitglied - für den früheren Berliner Finanzsenator ein schwerer Schlag.

Thomas Hanke
Ein Jahr ist es her, dass Thilo Sarrazins Buch in den Läden stapelweise auslag. Die Debatte über seine Thesen ist noch nicht beendet. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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21.01.2011 18:02Ein Jahr ist es her, dass Thilo Sarrazins Buch in den Läden stapelweise auslag. Die Debatte über seine Thesen ist noch nicht...

Nach Gesprächen gestern und in der vergangenen Woche über die in seinem Buch vertreten Thesen habe man sich „im gegenseitigen Einvernehmen“ darauf verständigt, dass das Vorstandsmitglied der Bundesbank nicht für den stellvertretenden Vorsitz kandidiere und aus dem Vorstand ausscheide, teilte der Geschäftsführer des Kreises Werner Rechmann dem Handelsblatt auf Anfrage mit.

Erst jetzt wurde bekannt, dass Sarrazin im vergangenen Jahr als Vorsitzender des Managerkreises vorgesehen war. Nachdem er sich in einem Interview mit der Zeitschrift „Lettre International“ aber über Türken und Araber in Weise äußerte, die in der Öffentlichkeit als verletzend empfunden wurde, legte der Kreis die Pläne ad acta. Er sollte aber am 21. September 2010 zum Stellvertreter gewählt werden. Darauf wird nun verzichtet. Vorsitzender des Kreises soll Klaas Hübner werden. Er war Vize-Vorsitzender der SPD im Bundestag und einer der Sprecher des Seeheimer Kreises. Seit Ende 2009 ist Hübner mit Garrelt Duin im Forum Wirtschaft und Mittelstand des SPD-Parteivorstandes.

Rechmann hob hervor, dass Sarrazin zwar aus dem Vorstand ausscheide, aber einfaches Mitglied bleibe. Der Managerkreis habe sich früher nie Gedanken über ein förmliches Ausschlussverfahren gemacht und werde das auch bei Sarrazin so halten. Er solle Mitglied bleiben. Über die einzelnen Kritikpunkte gegenüber Sarrazin äußerte Rechmann sich nicht.

Ein anderes Führungsmitglied des Managerkreises, das namentlich nicht zitiert werden will, sprach von einer schwer verständlichen Verhärtung im Denken des SPD-Mitglieds. Er habe sich mit seinen Ausländerthesen verrannt und es sei zunehmend schwer gewesen, zu ihm durchzudringen.

Für den früheren Berliner Finanzsenator ist das Ausscheiden aus der Führung ein schwerer Schlag, weil es ihn anders als die Auseinandersetzung um seinen Posten bei der Bundesbank in seinem privaten Engagement trifft: Sarrazin gehört zu den Gründungsmitgliedern des Managerkreises. Vor allem bei der Finanz- und Steuerpolitik hat er die Positionen des Kreises, dem zu einem großen Teil Nicht-SPD-Mitglieder angehören, mitgeprägt.

Die führenden Personen sind seit Jahren durch gemeinsame Einstellungen und auch persönliche Freundschaften miteinander verbunden. Die Positionen des Kreises kann man als wirtschaftlich liberal mit ausgeprägter sozialer Orientierung und häufig kritisch gegenüber der offiziellen Parteilinie der SPD charakterisieren. Dem Vorstand gehören aktive oder frühere Manager unter anderem von Eon, RWE, Evonik und Sparkassenverband an.

Ein Bündnis linker Gruppen kündigte unterdessen an, gegen die Lesung von Sarrazin an diesem Donnerstag in Potsdam lautstark protestieren zu wollen. Unter dem Motto „Keine Toleranz für Rassisten“ sei vor dem Veranstaltungsort in der Innenstadt eine Kundgebung mit mehr als 100 Teilnehmern angemeldet, sagte Polizeisprecher Mario Heinemann am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.

Sarrazins Auftritt im Nikolaisaal ist der Auftakt seiner bundesweiten Lesereise mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“. Ursprünglich sollte die Lesereise in einer Buchhandlung in Hildesheim starten. Der dortige Buchhändler sagte die Veranstaltung jedoch aus Sicherheitsgründen ab.

Die Polizei in Potsdam wird Sarrazins Lesestunde notfalls mit Straßensperrungen schützen. „Wir bereiten einen Polizeieinsatz vor, der angemessen sein wird“, sagte Sprecher Heinemann. Auch in der brandenburgischen Landeshauptstadt war Buchautor Sarrazin zunächst ausgeladen worden. Ein Kulturzentrum wollte ihm keine Bühne mehr geben. Mit dem Nikolaisaal fand das Brandenburgische Literaturbüro jedoch ein Ausweichquartier. Die Veranstalter rechnen wegen des „riesigen Zulaufs“ mit einem ausverkauften Abend.

Quelle: Handelsblatt

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