• Erste Runde der Washingtoner Gespräche zwischen Jerusalem und Damaskus blieb ohne Ergebnis

Politik : Erste Runde der Washingtoner Gespräche zwischen Jerusalem und Damaskus blieb ohne Ergebnis

Eine erste Runde der Friedensgespräche zwischen Israel und Syrien ist in Washington erwartungsgemäß ohne greifbare Ergebnisse zu Ende gegangen. Der Sprecher des Weißen Hauses, Joe Lockhart, sagte nach Unterredungen zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak, dem syrischen Außenminister Faruk el Scharaa und US-Präsident Bill Clinton, es gebe zwischen den Parteien die erwarteten Differenzen. Die Eröffnungsrede Scharaas sorgte bei den Gesprächspartnern für Verärgerung.

Clinton traf zunächst mit Barak und Scharaa gemeinsam und dann mit beiden zu getrennten Gesprächen zusammen. Danach sagte der US-Präsident, die Verhandlungen verliefen relativ gut, wenngleich sie sehr schwierig seien. Auch US-Außenministerin Madeleine Albright traf mit Barak und Scharaa zu getrennten Gesprächen zusammen. Die Delegationen Israels und Syriens gaben zunächst keine Erklärungen ab.

Scharaa wollte Barak trotz der Aufforderung der Fotografen nicht die Hand reichen. Er warf Israel bei der Eröffnungszeremonie im Weißen Haus vor, bei der Besetzung der Golanhöhen 1967 eine halbe Million Syrer vertrieben zu haben. Scharaa kritisierte auch die internationale Gemeinschaft, die das arabische Volk und seine Leiden 50 Jahre lang ignoriert habe. Der israelische Minister für öffentliche Sicherheit, Schlomo Ben Ami, zeigte sich über den scharfen Ton Scharaas überrascht. "Man hätte bei einem solchen Anlass mehr Großzügigkeit erwartet, aber Syrien bleibt Syrien", sagte er. Trotzdem sei die Rede Scharaas von Bedeutung gewesen.

"Zum ersten Mal hören wir von den Syrern etwas über wirtschaftliche, kulturelle und wissenschaftliche Zusammenarbeit", erklärte Ben Ami. Der israelische Außenminister David Levy sagte, Clinton und Barak seien über die Rede Scharaas verärgert. Als die Verhandlungspartner unter sich gewesen seien, habe sich die Gesprächsatmosphäre jedoch verbessert. "Wir haben gelacht", sagte Levy dem israelischen Armeeradio.

Die zweite Runde der israelisch-syrischen Friedensverhandlungen kann nach israelischer Vorstellung schon im Januar stattfinden. Das sagte ein Berater Baraks, Robi Nathanson, am Donnerstag dem InfoRadio Berlin-Brandenburg.

Die israelische Armee beschoss unterdessen am Donnerstag eine Schule in Südlibanon mit Granaten und verletzte dabei 20 Schüler, einige von ihnen schwer. Wie die libanesische Polizei mitteilte, trafen zwei Geschosse die Schule in dem Dorf Salim, das außerhalb der von Israel besetzten "Sicherheitszone" liegt. Vier der Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren wurden den Angaben zufolge schwer verletzt. Am Vortag hatte die radikal-islamische Hisbollah-Miliz in diesem Gebiet mehrere Stützpunkte der mit Israel verbündeten Südlibanesischen Armee (SLA) angegriffen. Die israelische Luftwaffe hatte daraufhin Hisbollah-Stellungen bombardiert.

Die libanesische Regierung nannte den Angriff auf die Schule eine "schreckliche Aggression" und forderte die umgehene Einberufung des Komitees zur Überwachung des 1996 geschlossenen Waffenstillstands. Laut der Vereinbarung müssen die Konfliktparteien in Südlibanon Zivilisten schonen. Dem Komitee gehören die USA, Frankreich, Libanon, Syrien und Israel an. Seit Beginn des Jahres tagte es bereits 31mal. Der Gewalt in Südlibanon fielen in diesem Jahr bereits mindestens 22 Zivilisten zum Opfer. Mindestens 187 Zivilisten wurden verletzt.

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