Politik : Erster Streik auf dem Bau

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Berlin (Tsp). In der deutschen Bauindustrie beginnt am Montag der erste Arbeitskampf in der Nachkriegsgeschichte. Die IG Bau will zu Beginn des Streiks ihre Mitglieder „in wichtigen Metropolen“ Norddeutschlands zu Arbeitsniederlegungen aufrufen. Auch auf Berliner Baustellern wird voraussichtlich gestreikt. Später sollen andere Regionen in die Streikmaßnahmen einbezogen werden. In dem seit Februar dauernden Tarifkonflikt waren die Schlichtungsverhandlungen unter dem CDU–Politiker Heiner Geissler gescheitert. Die IG Bau fordert für die 850000 Beschäftigten Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent, das Angebot der Arbeitgeber liegt bei 3,0 Prozent. Streit zwischen den Tarifparteien gibt es insbesondere über die Anhebung der Mindestlöhne in den neuen Ländern, was die Arbeitgeber in Ostdeutschland vehement ablehnen. Unterdessen sagte der Sozialwissenschaftler Meinhard Miegel eine weitere Tarifflucht der Unternehmen voraus. „Noch ein, zwei Lohnrunden dieser Art und der Prozess könnte unkontrollierbar werden“, sagte Miegel im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Im Übrigen sei inzwischen „nur noch etwa jeder fünfte abhängig Beschäftigte gewerkschaftlich organisiert“. Entsprechend werde der Einfluss der Gewerkschaften zum Beispiel auf die Sozialsysteme zurückgehen. Miegel kritisierte ferner das Ausmaß an Schwarzarbeit und Rechtsverstößen in Deutschland: „Das Manipulieren von Rechnungen, Arbeitsverträgen, Steuererklärungen und dergleichen ist doch mittlerweile zum Breitensport geworden“, sagte Miegel im Interview. Die Gesellschaft sei „ganz offensichtlich von der bestehenden sozialen Ordnung überfordert“, sagte Miegel.

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