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Erstmals Ebola in den USA übertragen : Obama mahnt Aufklärung an

War es ein fataler Fehler? Eine US-Krankenschwester hat sich trotz strenger Sicherheitsmaßnahmen mit Ebola infiziert. Die zuständige Gesundheitsbehörde schließt weitere Fälle nicht aus.

Die Ankunft des ersten Ebola Patienten im Krankenhaus in Texas. Er ist am Mittwoch gestorben. Nun hat sich auch ein Pfleger mit dem Virus infiziert.
Die Ankunft des ersten Ebola Patienten im Krankenhaus in Texas. Er ist am Mittwoch gestorben. Nun hat sich auch ein Pfleger mit...Foto: AFP

Nach der Ansteckung einer Krankenschwester bei einem Ebola-Patienten in den USA hat Präsident Barack Obama eine rasche Aufklärung der Umstände gefordert. Die Gesundheitsbehörde CDC müsse transparent aufarbeiten, wie es trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen dazu kommen konnte, mahnte Obama laut einer Mitteilung des Weißen Hauses vom Sonntag.

Wie die CDC erste Tests bestätigte, steckte sich die Frau ungeachtet ihrer Schutzkleidung und weiterer Sicherheitsmaßnahmen an. Es ist das erste Mal, dass Ebola in den USA übertragen wurde. Ihr Gesundheitszustand sei stabil, hieß es vom Krankenhaus. CDC-Chef Tom Frieden zufolge enthält das Blut der Frau erst wenige Viren, daher sei die Hoffnung auf Genesung groß. Die Frau hatte am Freitag leichtes Fieber gemeldet, ein erster Test ergab Ebola. Die Behörden suchen nach möglichen Kontaktpersonen.
Die Frau betreute den Mann, der die lebensgefährliche Krankheit aus Afrika in die Vereinigten Staaten gebracht hatte und daran vergangenen Mittwoch in einem Krankenhaus in Dallas im Bundesstaat Texas gestorben war. Obwohl die Frau sofort isoliert wurde, wollte die CDC neue Übertragungen nicht ausschließen. „Ich will es klar sagen. Es besteht die Möglichkeit, dass es weitere Fälle hier in den USA geben wird“, sagte CDC-Chef Frieden in Atlanta.

Die Gesundheitsbehörden haben sich auf weitere Fälle vorbereitet

„Wir wussten, dass ein zweiter Fall Wirklichkeit werden könnte, und wir hatten uns auf diese Möglichkeit vorbereitet“, sagte David Lakey von der Gesundheitsbehörde des Staates Texas. „Wir haben unser Team in Dallas vergrößert und arbeiten mit äußerstem Hochdruck daran, eine weitere Ausbreitung zu verhindern.“ Der Mann aus Liberia, bei dem sich die Pflegekraft ansteckte, war am Mittwoch gestorben. Der 42-Jährige war am 20. September in die USA geflogen und hatte vier Tage später erste Symptome entwickelt. Die liberianische Regierung warf dem Mann vor, bei der Ausreise gelogen zu haben: Obwohl er einer todkranken Frau in ein Taxi geholfen hatte, habe er beteuert, keinen Kontakt zu Kranken gehabt zu haben. Ein Krankenhaus in den USA hatte den Mann zunächst abgewiesen – obwohl er nach Aussage von Verwandten gesagt hatte, dass er aus dem Ebola-Gebiet kam.

Mitarbeiter der Gesundheitsbehörde hätten die nun erkrankte Pflegekraft bereits befragt. „Menschen, zu denen sie nach dem Auftreten der Symptome Kontakt hatte, werden beobachtet, je nachdem, wie eng der Kontakt war und wie sehr sie dem Virus ausgesetzt waren“, hieß es von den Behörden. „Menschen sind nicht ansteckend, bevor sie erste Symptome zeigen“, wurde erneut betont.

Steinmeier: „Wir alle haben die katastrophalen Folgen von Ebola unterschätzt“

Derweil schien die spanische Ebola-Patientin Teresa Romero auf dem Wege der Besserung. Der Gesundheitszustand der Krankenschwester habe sich über Nacht deutlich verbessert, hieß es am Samstag aus Krankenhauskreisen in Madrid. Sie sei bei Bewusstsein und könne sprechen. Romeros Bruder sagte dem Fernsehsender La Sexta, seine 44-jährige Schwester habe kein Fieber mehr. Die Krankenschwester hatte sich in der Klinik Carlos III. infiziert, wo zwei an Ebola erkrankte spanische Missionare behandelt worden waren, die nach ihrer Rückkehr aus Westafrika an dem Virus starben.

Die USA haben inzwischen verschärfte Kontrollen von Reisenden aus den Ebola-Gebieten in Westafrika angeordnet. Am New Yorker Flughafen JFK erfassten die Behörden am Wochenende erstmals im großen Umfang mit Strahlungsthermometern die Körpertemperatur von Passagieren aus Guinea, Sierra Leone und Liberia. Andere Staaten haben ähnliche Maßnahmen eingeführt. Für Deutschland lehnte der Flughafenverband ADV dieses Thermoscreening ab. Der Aufwand sei extrem hoch, der Nutzen zugleich sehr zweifelhaft, da schon die Einnahme eines einfachen fiebersenkenden Medikaments genüge, um einen erkrankten Passagier für die Temperaturkontrolle unauffällig zu machen.

In Großbritannien simulierten die Behörden am Samstag in einer landesweiten Übung einen Ausbruch der Ebola-Epidemie auf der Insel. Während der achtstündigen Übung mussten Ärzte, Pfleger und Notdienste an mehreren Orten vermeintliche Ebola-Patienten behandeln, wie das britische Gesundheitsministerium mitteilte. Im Anschluss sei das Krisenkabinett der Regierung zu einer simulierten Notsitzung zusammengetroffen.

In den westafrikanischen Krisengebieten kommen die Helfer der Ausbreitung der Krankheit weiter nicht hinterher. „Das Virus ist uns weit voraus, und jeden Tag wird die Situation schlimmer“, sagte der UN-Sondergesandte Anthony Banbury nach seiner Rückkehr von einer Reise durch Liberia, Guinea und Sierra Leone. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind von rund 8400 Erkrankten inzwischen mehr als 4000 Menschen an Ebola gestorben.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat Deutschland und Europa zu verstärkten Anstrengungen im Kampf gegen die Ebola-Epidemie in Westafrika aufgerufen. „Wir alle haben die katastrophalen Folgen von Ebola unterschätzt“, sagte Steinmeier der „Bild am Sonntag“. Jetzt beginne die Aufholjagd. „Wir werden die Epidemie besiegen und müssen jetzt entschlossen mit vereinten Kräften handeln.“ Europa müsse allerdings noch mehr tun, betonte Steinmeier. „Wir haben darauf gedrängt, dass das Thema auf dem nächsten Treffen der Außenminister ganz oben auf der Agenda steht.“ Der Koordinator der Ebola-Hilfen der Bundesregierung, Walter Lindner, betonte vor einer Reise nach Westafrika gegenüber der Zeitung, der Höhepunkt der Epidemie sei noch nicht erreicht. „Wenn alles gut läuft, können wir die Verbreitung von Ebola noch in diesem Jahr unter Kontrolle bekommen.“ Zugleich dämpfte Lindner Erwartungen, Deutschland könne in größerer Zahl Infizierte aus Afrika aufnehmen: „Niemand kann den erkrankten Menschen vor Ort versprechen, dass sie alle bei uns oder anderswo in der Welt behandelt werden könnten. Das können wir nur in Einzelfällen anbieten.“ (dpa/AFP/rtr/KNA)

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