Politik : Erstmals wieder Schüsse zwischen Nord- und Südkorea

Harald Maass

Erstmals seit dem Gipfeltreffen im Sommer letzten Jahres ist es an der koreanischen Demarkationslinie am Dienstag wieder zu einem Schusswechsel gekommen. Bei dem Zwischenfall seien keine Soldaten verletzt worden, gab der Generalstab in Seoul am Dienstag bekannt. Der Vorfall wurde jedoch als ein weiterer Hinweis für das Scheitern der innerkoreanischen Gespräche gewertet.

Nordkoreanische Wachsoldaten hätten aus unbekannten Gründen am Dienstag im Landkreis Paju in der entmilitarisierten Zone (DMZ) zwei oder drei Schüsse auf eine südkoreanische Stellung abgegeben, erklärte der Generalstab. Die südkoreanischen Soldaten hätten das Feuer erwidert. Der Vorfall fand im Landkreis Paju, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Seoul statt. Es war der erste Schusswechsel seit Juni 1998 an der schwer bewachten Grenze. Man habe anschließend keine ungewöhnlichen Truppenbewegungen der nordkoreanischen Streitkräfte festgestellt, hieß es weiter.

Der Zwischenfall ist ein weiteres Signal für das offensichtliche Scheitern der koreanischen Entspannungsgespräche. Nach dem Gipfeltreffen zwischen Südkoreas Präsident Kim Dae-Jung und dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Il im Juni 2000 gab es zuletzt eine Reihe von Rückschlägen. Nach dem Amtsantritt George W. Bushs Anfang des Jahres fanden mehrere Monate keine Gespräche zwischen Seoul und Pjöngjang statt. Vor zwei Wochen scheiterte die letzte Runde von Ministergesprächen.

Seitdem hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Koreas deutlich abgekühlt. Pjöngjangs Staatsmedien attackierten die Regierung in Seoul und machten die Anti-Terrorbestimmungen des Südens für das Scheitern der Gespräche verantwortlich. "Nahezu jeden Tag hält Südkorea aggressive Militärübungen ab", schrieb die staatliche Nachrichtenagentur KCNA und warf Seoul Provokationen an der Grenze vor. Südkorea kündigte an, geplante Hilfslieferungen von Hunderttausenden Tonnen Getreide an den hungernden Norden einzufrieren. Südkoreas Präsident Kim Dae-Jung steht unter Druck, dass seine "Sonnenscheinpolitik" Fortschritte bringen muss. Außer einigen Familienbesuchen kann er die nicht vorweisen.

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