Politik : Erstmals wird Milosevic aus den eigenen Reihen kritisiert

BELGRAD/MOSKAU/GENF (AFP).Erstmals seit Beginn des Kosovo-Kriegs hat ein prominentes Mitglied der jugoslawischen Führung harte Kritik an Präsident Milosevic geübt.Vizepremier Draskovic sagte im Belgrader TV-Sender Studio B: "Die höchste Staatsführung und sogenannte Patrioten sollten nicht mehr lügen, sondern dem Volk die Wahrheit sagen, daß die NATO nicht vor der Niederlage steht, daß Rußland Jugoslawien nicht militärisch helfen wird und daß die Weltöffentlichkeit gegen uns ist." Gleichzeitig sprach sich der ehemalige Oppositionspolitiker für die Stationierung von internationalen Friedenskräften unter UN-Führung im Kosovo aus.Über seine Äußerungen berichteten die Staatsmedien zunächst nicht.Ein Regierungssprecher sagte der BBC, Draskovic habe nicht Milosevic, sondern die NATO kritisiert.

Im britischen TV-Sender Sky sagte Draskovic, alles sei verhandelbar mit Ausnahme einer Loslösung des Kosovo von Serbien.Er sage dies mit Billigung Milosevics.Die oppositionelle Demokratische Partei forderte die Staatsführung auf, den UN einen "realistischen" Friedensvorschlag vorzulegen.Der britische Premier Blair wertete Draskovics Worte als Hinweis für "bestehende Spannungen" in der Belgrader Führung.Er warnte aber vor vorschnellen Schlüssen hinsichtlich der Machtbasis Milosevics.

Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR benutzten serbische Einheiten nach Flüchtlingsberichten junge Frauen und Kinder als "menschliche Schutzschilde" für ein Munitionsdepot in der Kosovo-Stadt Prizren.Sie würden im obersten Stockwerk des dreistöckigen Gebäudes festgehalten.

Die NATO zerstörte die letzte Donau-Brücke in Novi Sad.Mit einem Besuch des US-Vize-Außenministers Talbott in Moskau wollte die Allianz ihren Dialog mit Moskau fortsetzen.Derweil beschlossen die EU-Außenminister in Luxemburg schärfere Strafmaßnahmen gegen Belgrad, dazu gehören Einreiseverbote für Milosevic, dessen Familie sowie Funktionäre.Zudem riefen sie zum Sport-Boykott gegen Jugoslawien auf.Das Ölembargo soll "spätestens" ab Freitag umgesetzt werden, die NATO schloß Gewaltanwendung aber aus.Die EU lud zudem den gemäßigten Albanerführer Rugova für den 17.Mai nach Brüssel ein.

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