ERWECKUNG IN ÄTHIOPIEN : ERWECKUNG IN ÄTHIOPIEN

Äthiopien? Da willst du hinreisen? Das ist doch nur was für Katastrophenhelfer. Die Reaktionen der Freunde auf meine Reisepläne waren eindeutig: Shoppen in London oder Schlemmen an der Loire hörte sich lange auch für mich nach einem plausibleren Reisespaß an als dieses unheimliche Land, das durch schreckliche Katastrophen so bekannt ist, dass man über politische Missstände gar nicht erst nachdenkt. Ausgerechnet Äthiopien wurde eine Art Erweckungserlebnis. Tatsächlich, es gab Straßen, Autos, Hotels und Restaurants in Addis Abeba. Und Kultur: Lucy, die Urahnin der Menschen, ist dort zu sehen. Ich lernte, dass hier sehr fromme Menschen leben, die eine interessante Mischung aus Christentum und Judentum praktizieren. Ja, ich habe auch Leprakranke gesehen, die auf der Straße betteln mussten. Aber es ist unsinnig, Urlaubs-Euros deshalb immer nur dort auszugeben, wo die Welt vergleichsweise heile und reich ist und wo es demokratisch zugeht. Auf der Fahrt ins Hochland hielt der Bus in einem kleinen Ort zur Kaffeepause. Ich ging die staubige Dorfstraße entlang, sah Kinder an einer uralten Tischtennisplatte spielen und stellte mich mit sehnsüchtigen Augen dazu. Sofort luden sie mich ein mitzuspielen. Am Ende wollte eines der Kinder Geld dafür haben, aber die anderen wehrten ab, das sei doch ein Spaß gewesen, dafür wollten sie kein Geld. Elisabeth Binder

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