ERZIEHUNG VOR DEM FERNSEHER : "Die Linke hat eine Chance"

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Mario Giampaolo (28) macht politische PR und steht dem Mitte-links-Lager nahe.

Mich hat nicht nur meine linke Familie erzogen, sondern auch die US-Vorabendserien, die Berlusconis Sender ausstrahlten. Als er in die Politik ging, war ich 13 und konnte ihn anders als meine Eltern nicht als das absolute Böse sehen. Das mag seltsam sein, aber ich glaube, das gilt für meine ganze Generation: Berlusconi verkörperte für uns den Zeitgeist, er arbeitete mit Riesenplakaten, setzte den Sport ein und eine Sprache, die wir verstanden. Und er sprach von Freiheit – das zog, auch deshalb, weil es neu war in einer politischen Szene, der jedwede Themen und Argumente fehlten. Jeder hat 1994, nach dem Untergang der Ersten Republik in den Korruptionsverfahren von „mani pulite“, einen Wahlsieg der Linken erwartet, einfach, weil es ja nichts anderes mehr gab. Stattdessen gewann Berlusconi. Seinen Sexappeal hat er für mich in den Jahren danach komplett verloren. Er wurde zu einem Teil des System, seit langem ist er sogar dessen Zentrum. Und Obama hat die italienische Politik noch rascher altern lassen. Natürlich ist der Partito Democratico eine Enttäuschung. Trotzdem engagiere ich mich da in letzter Zeit. Es sind dort sehr fähige junge Leute, womit ich nicht die meine, die schon seit zwanzig Jahren den Ton angeben. Die müssten endlich Platz bekommen, wir brauchen einen echten Generationswechsel. Berlusconi hat seinen Aufstieg dem Fernsehen zu verdanken. Diese Rolle hat jetzt das Web und da hätte die Linke die viel besseren Möglichkeiten. Die besten Blogger Italiens sind mehrheitlich links. Wir müssten es schaffen, dass Online Offline organisiert. Obama zum Beispiel hat in den USA das Internet nicht nur zum Geldsammeln gebraucht, er hat es auch genutzt, um Leute zu mobilisieren. Warum ich noch an eine Chance für die Linke glaube? Ich kann einfach nicht anders. Nicht hoffen hieße, das Vertrauen zu mir selbst zu verlieren. Persönlich: Ich habe keine feste Stelle, aber ich kann meinen Lebensunterhalt mit politischer Kommunikation verdienen. Meine Firma organisiert Kampagnen für Provinzregierungen und Kommunen. Dazwischen beobachten wir das Land und versuchen, Empfehlungen zu entwickeln für die politische Tagesordnung. Ich bin absolut zufrieden.

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