Politik : „Es entsteht der Eindruck von Parteilichkeit“

Doris Schröder-Köpf findet die Berichterstattung der „Bild“-Zeitung über die Bonusmeilen nicht in Ordnung

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Berlin. Doris Schröder-Köpf, die Ehefrau von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), hat die Macher der „Bild“-Zeitung dringend zu Überparteilichkeit aufgerufen. In der „hoch empfindlichen Wahlkampfphase“ müsse sich das mächtigste deutsche Blatt seiner enormen Verantwortung „in jeder Sekunde bewusst“ sein, sagte Schröder-Köpf dem Tagesspiegel. Das sei gegenwärtig eindeutig nicht der Fall.

Das Muster der gegenwärtigen Veröffentlichung sei nicht in Ordnung. „Ob über die CDU auch etwas erschienen wäre, wenn es keinen öffentlichen Druck gegeben hätte?“, fragte die Frau des Kanzlers und SPD-Vorsitzenden. Über den ersten Christdemokraten in diesem Fall hatte zuerst ein anderes Medium berichtet. Es entstehe der nachhaltige Eindruck von Parteilichkeit.

Schröder-Köpf sagte, wenn sie sehe, wie im Vergleich der Kanzler und Unionskanzlerkandidat Edmund Stoiber behandelt würden, stelle sich schon die Frage nach dem Maßstab. Hätte ihr Mann 1998 auf dem Weg zur Kanzlerschaft in Niedersachsen derart viele Pleiten erlebt wie jetzt Stoiber, „wäre die Schlagzeile gewesen: Stolpersteine auf dem Weg zur Macht“. Bei Stoiber kein Wort davon. Auch dass dessen Tochter Constanze immer wieder über die Betreuungsmisere in Bayern lamentiere, sei den Kollegen von „Bild“ keine Nachfrage wert gewesen.

Sie habe ähnliche Fälle bemerkt, von der ausgiebigen Berichterstattung über Schröders Halbschwester und der verschwindend geringen über Stoibers Schwester bis hin zu der ungeprüften Behauptung, dass ihr Mann dem scheidenden Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping beim Zapfenstreich nicht die Hand gegeben habe. Da sei er „moralisch verdammt worden“, ohne dass sich die „Bild“-Zeitung vergewissert habe, ob es denn stimme. „Selbstverständlich hat er ihm die Hand gegeben“, betonte Schröder-Köpf.

Ihr stelle sich jetzt die Frage, wer eigentlich diese mächtigen Blätter kontrolliere, und ob sie im eigenen Verhalten moralisch ihrem Auftreten und ihren Maßstäben gerecht würden. Aber so dürfe es aus ihrer Sicht nicht unwidersprochen weitergehen, sagte Schröder-Köpf im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Gerade eine so meinungsbildende Zeitung wie „Bild“ sollte vor Veröffentlichung prüfen, ob die Fakten stimmen.

Stephan-Andreas Casdorff

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