Politik : Es gibt eine zweite Erde

Astronomen entdecken in 200 Billionen Kilometer Entfernung einen bewohnbaren Planeten

Bas Kast

Astronomen haben den ersten bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. Der Planet ist etwa anderthalbmal so groß wie die Erde und hat rund fünfmal so viel Masse. „Wir schätzen die Durchschnittstemperatur dieser Super-Erde auf null bis 40 Grad Celsius, so dass Wasser dort flüssig wäre“, sagte der federführende Forscher Stéphane Udry vom Observatorium Genf. „Modellen zufolge sollte dieser Planet entweder felsig sein wie die Erde – oder von Ozeanen bedeckt.“ Hinweise auf Wasser oder sogar Leben gibt es von dort bislang aber nicht.

„Das ist eine großartige Entdeckung“, sagte der Planetenforscher Gerhard Neukum von der Freien Universität Berlin dem Tagesspiegel. Astronomen haben zwar schon mehr als 200 Planeten außerhalb unseres Sonnensystems entdeckt. „Die aber liegen alle an solchen Stellen, dass Leben darauf unmöglich erscheint“, sagte Neukum.

Das ist bei der nun entdeckten „Super- Erde“ anders. Ihre Sonne ist ein Roter Zwerg namens Gliese 581. Rote Zwerge sind kleine Sterne, die rötlich leuchten. Gliese 581 befindet sich im Sternbild Waage rund 20 Lichtjahre von uns entfernt. Das entspricht 200 Billionen Kilometern.

Die „Super-Erde“ umkreist Gliese 581 14-mal näher als die Erde die Sonne. Ein Jahr dauert auf dem Planeten so nur 13 Tage. „Weil aber das Licht des Sterns so viel schwächer ist als das unserer Sonne, sind die Temperaturen auf dem Planeten trotzdem mild“, sagte Bernard Schutz vom Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Potsdam. „Es könnte dort ähnlich aussehen wie hier, nur dass das Licht etwas rötlicher wäre – fast wie bei einem Sonnenuntergang.“

Die Astronomen sind mit einem Präzisionsinstrument der Europäischen Südsternwarte am 3,6-Meter-Teleskop im chilenischen La Silla auf den Planeten gestoßen. Sie haben den Planeten allerdings lediglich indirekt gesehen: „Die Schwerkraft des Planeten versetzt den Stern in Bewegung, auf diese Weise schließt man auf dessen Existenz“, sagte der Physiker Schutz. Ob der Planet sich dreht wie die Erde, ob er eine Atmosphäre hat, ob es Kontinente oder sogar Außerirdische darauf gibt – das alles ist noch unbekannt.

Nach kosmischen Maßstäben liegt der Planet geradezu in unserer Nachbarschaft. Er gehört zu den 100 nächsten Sternen. Dennoch braucht selbst das Licht 20 Jahre, um die Strecke zurückzulegen. „Es besteht also keine Chance, dass wir mit einem Raumschiff einen Besuch abstatten könnten“, sagte Neukum. „Zumindest nicht in absehbarer Zeit.“ Es ist jedoch möglich, in den nächsten Jahrzehnten mit neuartigen Weltraumfernrohren einen genaueren Blick auf den Planeten zu werfen und ihn direkt zu sehen.

Mit der Entdeckung eines bewohnbaren Planeten außerhalb unseres Sonnensystems wird es immer unwahrscheinlicher, dass wir allein im Universum sind. „Dort, wo es Bedingungen für Leben gibt, da entsteht es auch“, ist der Planetenforscher Neukum überzeugt. „Es gibt vermutlich etliche bewohnbare Planeten im All“, sagte der Physiker Schutz. „Warum sollte es dort kein Leben geben?“

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